Archiv für Oktober 2008

Obama über die Bürgerrechtsbewegung, Umverteilung, die Verfassung und dann noch ein Nazivergleich

Hat McCain überhaupt noch irgendeine Chance? Wohl kaum, aber jetzt hat Naked Emperor News ein Interview von Obama aus dem Jahr 2001 ausgegraben, in dem dieser ziemlich offen über die Umverteilung spricht. Und nicht nur das – die Verfassung wird ziemlich auf den Kopf gestellt (und einen Nazivergleich gibts dann auch noch). Das gesamte Interview gibts hier, “relevante” Ausschnitte von Obama gibts auf der Naked Emporer News – Seite oder hier:

You know, if you look at the victories and failures of the civil rights movements and its litigation strategy in the court, I think where it succeeded was to vest formal rights in previously dispossessed peoples so that I would now have the right to vote, I would now be able to sit at the lunch counter and order and as long as I could pay for it, I’d be okay, but the Supreme Court never ventured into the issues of redistribution of wealth and more basic issues of political and economic justice in this society.

And to that extent, as radical as I think people try to characterize the Warren court. It wasn’t that radical. It didn’t break free from the essential constraints that were placed by the founding fathers in the Constitution, at least as it’s been interpreted and Warren interpreted it in the same way that generally is a charter of negative liberties. Says what the federal government can’t do to you but it doesn’t say what the federal government or the state government must do on your behalf. And that hasn’t shifted and one of the, I think the tragedies of the civil rights movement was because the civil rights movement became so court-focused, I think that there was a tendency to lose track of the political and community organizing activities on the ground that are able to put together the actual coalitions of power through which you bring about redistributive change. And in some ways we still suffer from that.

Wissen Sie, wenn Sie sich die Siege und Niederlagen der Bürgerrechtsbewegung anschauen und ihre Strategien bei den Rechtsstreitigkeiten vor den Gerichten – ich denke, da wo sie Erfolg hatte war, vormals enteigneten Menschen formale Rechte zu übertragen. In dem Sinn dass ich jetzt das Recht habe zu wählen, es ist mir ermöglicht an der Theke ein Mittagessen zu bestellen, solange ich dafür bezahlen kann. Aber der oberste Gerichtshof hat sich nie an Punkte wie die Umverteilung des Wohlstands und grundlegendere Belange von politischer und ökonomischer Gerechtigkeit in der Gesellschaft gewagt.

Und was diesen Punkt betrifft – so radikal wie ich denke, wie die Menschen versuchen das Warren Gericht [Oberster Gerichtshof unter Earl Warren] zu charakterisieren. Es war nicht so radikal. Er brach nicht aus den wesentlichen Grenzen aus, die ihm von den Gründervätern in der Verfassung auferlegt wurden – zumindest so, wie sie interpretiert wurden. Und Warren interpretiert sie so – die Verfassung ist im wesentlichen eine Charta von negativen Freiheiten. Sagt, was die Bundesregierung nicht gegen Sie tun darf [sie darf Ihnen z.B. nicht die Meinungsfreiheit oder die Waffe wegnehmen], aber sagt nicht, was die Bundesregierung oder die Landesregierung für Sie tun muss. Und das hat sich nicht geändert und ich denke eine der Tragödien der Bürgerrechtsbewegung war, dass die Bürgerrechtsbewegung sich so auf die Gerichtsverfahren konzentriert hat. Ich denke es gab die Tendenz, die politischen Aktivitäten und die Aktivitäten in der Gemeinde [community organizing] aus den Augen zu verlieren, die in der Lage sind Machtkoalitionen zu organisieren, durch die man die Veränderung durch Verteilung [redistributive change] herbeiführen könnte. Und in gewisser Hinsicht leiden wir darunter noch immer.

Und dann noch was, was er sich vielleicht verkneifen hätte können (Obama über die Rassentrennung in den USA während und nach dem zweiten Weltkrieg):

Second thing is just to take a, sort of realistic perspective – there’s a lot of change going on outside of the court, that Judges essentially have to take judicial notice of. I mean you’ve got World War II, you’ve got the doctrines of Nazism, that, that we are fighting against, that start looking uncomfortably similar to what’s going on, back here at home.

Und Ausserdem – um das aus einer praxisbezogenen Sicht zu betrachten – gibt es auch sehr viele Veränderungen ausserhalb des Gerichtsaals, die die Richter im Wesentlichen in ihrer Rechtssprechung beachten mussten. Ich meine da war der zweite Weltkrieg und die Doktrin der Nazis, gegen die wir kämpften und die dem, was hier zuhause vorgeht ungemütlich ähnlich zu scheinen beginnt.

Hier muss natürlich darauf hingewiesen werden, dass Nazivergleiche in den USA etwas leichter fallen, wie in Österreich oder Deutschland und das dort kein solches Tabuthema ist.

Die Finanzkrise geht in die nächste Runde – jetzt ist Europa dran (und speziell Österreich)

Beunruhigend. Anscheinend haben österreichische Banken Kredite im Wert von 85% des BIP an Länder aus dem ehemaligen Ostblock vergeben, mit dem Schwerpunkt in Ungarn, Ukraine und Serbien. Zufällig genau die Staaten, die sich jetzt vom IWF Geld borgen müssen, um den Staatsbankrott abzuwenden.

Update: Seltsamerweise ist die Junge Welt die einzige deutschsprachige Zeitung, die das bringt.

Spiegels Tagträume über Obama

SpOn hat hier ein paar Fragen zusammengestellt, anhand derer man testen kann, ob man politisch näher bei Obama oder McCain ist. Frage 20 entspricht aber wohl eher den Wunschvorstellungen des Redakteurs, als den tatsächlichen Positionen Obamas.

In der Zusammenfassung wird die Position Obamas dann nicht mehr ganz so falsch wiedergegeben (Obama hält die UNO grundsätzlich für wichtig, fordert aber eine Reform).

Dazu auch hier in Zettels Raum.

Indikatoren der Wirtschaftskrise (2) – der Angstindex VIX

Volatilitätsindizes, wie z.B. der VIX sind Indikatoren dafür, wie stark der Markt in der Zukunft (meist 30 Tage) schwanken wird. Der VIX bezieht sich auf den S&P-500 Index, also auf den Aktienkurs der 500 größten Firmen der USA.

Volatilität

Volatilität ist die Schwankungsbreite einer Zeitreihe, in dem Fall von einem Aktienindex. Die Volatilität ist als Standardabweichung definiert. Die Volatilität, also Standardabweichung kann aber natürlich nur über vergangene Daten berechnet werden. Deswegen wird sie auch historische Volatilität genannt. Uns interessiert aber die Zukunft, deswegen gibt es die implizite Volatilität.

Implizite Volatilität

Zur Berechnung der impliziten Volatilität werden Optionen verwendet. Eine Option ist ein Wertpapier, das dem Besitzer das Recht gibt, ein Produkt zu einem festgesetzten, späteren Zeitpunkt zu kaufen oder verkaufen. Mit Hilfe eines Optionspreismodells wird aus den Optionspreisen auf den Basiswert geschlossen und damit dann die Volatilität des Basiswerts (beim VIX ist es der S&P-500 Index) berechnet.

VIX

Der VIX ist die erwartete prozentuelle Bewegung (Standardabweichung) des S&P-500 Index innerhalb der nächsten 30 Tage bezogen auf ein Jahr. Ein VIX von 30 ist also die Erwartung, dass sich der S&P-500 Index innerhalb der nächsten 30 Tage um 2.5% bewegen wird (30% dividiert durch 12 Monate).

Fear Index

Die Volatilität kann auch als Maß für die Unsicherheit aufgefasst werden. Der VIX wird deswegen auch “Fear Index” (also “Angst Index”) genannt.

Implizite Volatilität bezogen auf andere Basiswerte

Der VIX bezieht sich auf den S&P 500 Index. Daneben gibt es VXO (auf S&P 100 bezogen), VXN (Nasdaq), VXD (Dow Jones), RVX (Russel 2000 – das sind “kleinere” Firmen), VXV (auch S&P 500, allerdings nicht 30, sondern 90 Tage) usw.

Der VDAX ist der Volatilitätsindex vom deutschen Aktienindex DAX. Der OVX bezieht sich auf den Ölpreis, der GVZ auf den Goldpreis und der EVZ auf den Dollar/Euro Wechselkurs.

Diagramme

Das erste Diagramm zeigt den VXO und den VIX, der VXO reicht am weitesten zurück. Der Peak ist am 19.10.1987 (Schwarzer Montag). Ganz gut zu sehen sind die aktuell sehr hohen Werte, was auf eine starke Verunsicherung hindeutet.

Links

Das Blog VIX And More befasst sich ausschliesslich mit den Volatilitätsindices.

European’s Economic Forecast

Bin heute auf eine interessante Seite der Financial Times gestossen, European’s Economic Forecast:

Just Chill Out

via The Big Picture.

Abstimmungsgeographie

Am 7.10. wurde im Umweltausschuss des europäischen Parlaments (ENVI) über die Vorlage zu “Cap and Trade” abgestimmt. Da mich interessierte, wer das alles verbrochen hat, hab ich das mit Hilfe eines Programms visualisiert:

Da ich diese Art der Darstellung genial finde und ich solche Karten mit Hilfe meines Programms jetzt ohne großen Aufwand erzeugen kann, werde ich versuchen, in Zukunft bei interessanten Abstimmungen solche Karten zu veröffentlichen (Vorschläge werden gerne angenommen).

Gird your Loins – Biden macht Angst

Obamas Vizepräsidentschaftskandidat Joe Biden hat am Sonntag eine kryptische Rede in Seattle gehalten:

Mark my words. It will not be six months before the world tests Barack Obama like they did John Kennedy. The world is looking. We’re about to elect a brilliant 47-year-old senator president of the United States of America. Remember I said it standing here if you don’t remember anything else I said. Watch, we’re gonna have an international crisis, a generated crisis, to test the mettle of this guy. I can give you at least four or five scenarios from where it might originate. [...] And he’s gonna need help. And the kind of help he’s gonna need is, he’s gonna need you – not financially to help him – we’re gonna need you to use your influence, your influence within the community, to stand with him. Because it’s not gonna be apparent initially, it’s not gonna be apparent that we’re right. Not only will the next administration have to deal with foreign affairs issues, but also with the current economic crisis.

Gird your loins. We’re gonna win with your help, God willing, we’re gonna win, but this is not gonna be an easy ride. This president, the next president, is gonna be left with the most significant task. It’s like cleaning the Augean stables, man. This is more than just, this is more than – think about it, literally, think about it – this is more than just a capital crisis, this is more than just markets. This is a systemic problem we have with this economy.

[...] I’ve forgotten more about foreign policy than most of my colleagues know, so I’m not being falsely humble with you. I think I can be value added, but this guy has it. This guy has it. But he’s gonna need your help. Because I promise you, you all are gonna be sitting here a year from now going, ‘Oh my God, why are they there in the polls? Why is the polling so down? Why is this thing so tough?’ We’re gonna have to make some incredibly tough decisions in the first two years. So I’m asking you now, I’m asking you now, be prepared to stick with us. Remember the faith you had at this point because you’re going to have to reinforce us.

There are gonna be a lot of you who want to go, ‘Whoa, wait a minute, yo, whoa, whoa, I don’t know about that decision’. Because if you think the decision is sound when they’re made, which I believe you will when they’re made, they’re not likely to be as popular as they are sound. Because if they’re popular, they’re probably not sound.

Denkt an meine Worte. Es wird nicht sechs Monate dauern, bis die Welt Barack Obama testen wird, so wie sie auch John Kennedy getestet hat [Kuba - Krise]. Die Welt schaut auf uns. Wir sind dabei einen brillanten 47 jährigen Senator zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika zu wählen. Merkt euch ich sagte es an diesem Ort – auch wenn ihr euch an sonst nichts erinnern könnt, was ich sagte. Seht, wir werden eine internationale Krise haben – eine herbeigeführte Krise, um diesen Kerl zu testen. Ich kann euch mindesten vier oder fünf Szenarien nennen, von wo diese Krise ihren Ausgang haben wird.

Und er wird Hilfe benötigen. Und er braucht eure Hilfe – nicht finanziell – wir werden euren Einfluss brauchen, euren Einfluss innerhalb der Gemeinschaft, um mit ihm zu stehen. Weil es zunächst nicht ersichtlich sein wird, es wird nicht ersichtlich sein, dass wir richtig liegen. Die nächste Regierung wird nicht nur mit außenpolitischen Angelegenheiten zu tun haben, sondern auch mit der aktuellen wirtschaftlichen Krise.

Seid vorbereitet [Gird your loins]. So Gott will werden wir mit Ihrer Hilfe gewinnen, wir werden gewinnen, aber es wird kein einfacher Weg sein. Diesem Präsident, dem nächste Präsident wird die wichtigste Aufgabe überlassen. Mann – es wird wie das Reinigen von Augias Ställen sein. Das ist mehr als nur, das ist mehr wie – denkt darüber nach, wörtlich, denkt darüber nach. Das ist mehr als nur eine Krise des Kapitals, das ist mehr als nur Märkte. Das ist ein systematisches Problem, das wir mit dieser Wirtschaft haben.

[...] Ich habe mehr über Außenpolitik vergessen, als die meisten meiner Kollegen wissen – ich werden mich also nicht in falscher Bescheidenheit üben. Ich glaube, ich kann etwas einbringen, aber dieser Kerl hat es. Dieser Kerl hat es. Aber er wird eure Hilfe benötigen. Weil ich sage voraus, in einem Jahr werdet ihr alle hier sitzen und sagen “Oh Gott – wieso sind sie da in den Umfragen? Wieso sind die Umfragen so weit unten? Wieso ist es so schwer?”. Wir werden in den ersten zwei Jahren einige unglaublich schwere Entscheidungen treffen müssen. Also bitte ich euch jetzt, ich bitte euch jetzt, darauf vorbereitet zu sein, zu uns zu halten. Erinnert euch an den Glauben, den ihr an dieser Stelle in uns hattet, weil ihr uns werdet uns stärken müssen.

Da werden eine Menge von euch sein, die sagen werden: “Hey, Moment – warten Sie. Moment, Moment, bei dieser Entscheidung weiß ich nicht so wirklich…”. Weil wenn ihr denkt, dass die Entscheidungen vernünftig sind, wenn sie gemacht werden – was ich annehme – werden sie wahrscheinlich nicht so populär sein, wie sie vernünftig sind. Weil wenn sie populär sind, sind sie wahrscheinlich nicht vernünftig.

Vor dem Hintergrund dessen, dass das FBI vor kurzem angefangen hat, die beiden Präsidentschaftskandidaten und deren Teams über die aktuellen Terrorgefahren aufzuklären, stellt sich die Frage, ob Biden tatsächlich irgendwas “weiß”, oder ob das nur wieder das typische herumschwadronieren von ihm ist.

PS: Wer näheres zu “Gird you loins” wissen will, muss sich unbedingt das hier ansehen.

Die Ursachen der Kreditkrise – Chrrr, de Jodn!!!

Die Ursachen der Kreditkrise – frei nach Saturday Night Life

Saturday Night Life von NBC hat am 4.10.2008 einen viel beachteten Sketch über die Kreditkrise gesendet. Viel beachtet deswegen, weil der Sketch erstens den Nagel auf den Kopf trifft und zweitens weil der Sketch zunächst von der Webseite genommen wurde und dann wieder leicht verändert veröffentlicht wurde.

Zunächst das Video:

Jetzt die Anmerkungen:

  1. Zunächst hält Bush eine kurze Ansprache über den Bailout-Plan.
  2. Dann spricht Nancy Pelosi (Demokraten). Sie ist die Sprecherin der Repräsentatenhauses (sowas wie Nationalratspräsident oder Bundestagspräsident).
  3. Als Nächster spricht Barney Frank. Barney Frank (Demokraten) ist Vorsitzender des Bankenausschuss und erlangte durch eine Aussage über Fannie Mae und Freddie Mac, die er im September 2003 machte zweifelhafte Berühmtheit: “These two entities — Fannie Mae and
    Freddie Mac — are not facing any kind of financial crisis.”
  4. Dann spricht wieder Pelosi. Sie behauptet, dass die Demokraten versuchten Fannie Mae
    und Freddie Mac zu regulieren und das an den Republikanern gescheitert ist. Bush versucht kurz anzumerken, dass das nicht stimmt, wird aber von Pelosi zum schweigen gebracht. Das spiegelt die aktuelle Situation der Republikaner wieder: sie sind offensichtlich nicht fähig oder nicht gewillt die Demokraten für deren Rolle bei der aktuellen Krise zur Verantwortung zu ziehen.
  5. Pelosi beginnt nun damit, Menschen vorzustellen, die angeblich unter der Finanzkrise leiden.
  6. Die ersten beiden “Opfer” (Michael McCune und Jerome Gant) repräsentieren das Grundproblem der Kreditkrise: es wurden Kredite an Leute vergeben, die diese unmöglich zurückzahlen können.
  7. Die nächsten “Opfer” (Greg und Judy Phillips) repräsentieren die kleinen Gauner, die mit den billigen Krediten auf dem Immobilienmarkt große Gewinne gemacht haben.
  8. Das nächste Paar – Herbert und Marion Sandler – ist besonders interessant. Die beiden gibts nämlich wirklich – sie kauften 1964 um $4 Millionen die kleine Bank Golden West Financial und verkauften sie 2006 um $24,3 Milliarden an Wachovia. Anfang Oktober 2008 musste Wachovia sein Kreditgeschäft aufgrund der riesigen Verluste verkaufen – ein großer Teil der Verluste geht auf Golden West Financial zurück.
  9. Im Original sagt Herb Sandler zu Frank jetzt: “And thank you, Congressman Frank, as well as many Republicans for helping block Congressional oversight of our corrupt activities.”. Weiters wird der Bildschirmtext “Herbert & Marion Sandler – People who sould be shot” eingeblendet. Das wurde jedoch herausgeschnitten.
  10. Auf die Frage von Frank, was mit den $700 Milliarden passiert ist, spricht George Soros. Soros ist ein Hedge Fund Manager und der 99. Reichste der Welt. Er ist der Demokratischen Partei eng verbunden. Seine Aussage “I have taken a short position against the dollar” soll an seine Geschäfte mit dem Britischen Pfund erinnern, dessen Entwertung ihm 1992 über $1 Milliarde einbrachte.


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