Obama und die rechten Medien in den USA: Obama der Marxist

In den rechten Medien, vor allem den Talk-Radio Programmen wird Obama oft als Marxist bzw. Sozialist bezeichnet.

Ein Grund dafür ist sein politisches Programm, das viele der in Europa üblichen sozialen „Errungenschaften“ beinhaltet, z.B. Krankenversicherung (Universal Healthcare), freier Zugang zu Colleges (Universal Education) usw. Oft auch als „Universal Everything“ bezeichnet. Allgemein seine Forderung nach mehr Umverteilung und einer größeren Rolle des Staates bei der Lösung der täglichen Probleme der Menschen.

Ich werde jetzt drei weitere Gründe dafür genauer ausführen. Es ist alles aus rechter Perspektive geschrieben und deswegen eventuell einseitig. Es sollten sich jedoch keine Unwahrheiten finden lassen, falls doch bitte ich um einen Kommentar und ich werde es korrigieren.

Stimmverhalten im Senat

Das Parlament in den USA, der Kongress, besteht aus zwei Kammern, dem Senat und dem Repräsentatenhaus. Obama ist ein Senatoren aus Illinois. Da Senatoren direkt gewählt werden, tragen sie auch eine direkte Verantwortung gegenüber ihren Wählern. Die Bindung an die Partei ist viel weniger stark als das z.B. bei den Abgeordneten des österreichischen Parlaments der Fall wäre. Das hat zur Folge, dass Senatoren relativ oft gegen die eigene Partei stimmen.

Von den Medien werden deshalb Untersuchungen über das statistische Stimmverhalten der verschiedenen Senatoren durchgeführt. Da im Wesentlichen das Stimmverhalten sich schon entlang der Parteigrenzen unterscheidet, wird untersucht, wie oft ein Demokrat mit den Republikanern stimmt (bzw. umgekehrt).

2007 wurde Obama als der „most liberal“ (Liberal bedeutet in den USA Links) Senator gewertet. Er hat gerade ein einziges mal gegen die Demokraten gestimmt (die roten Buchstaben in der Tabelle). Joseph Biden (Vizepräsidentschaftskandidat von Obama) wurde an dritter Stelle gewertet.

Kritiker bemängeln auch, dass Obama ja eine neue Art der Politik fordert, die über die Parteigrenzen hinwegsieht, aber eher McCain in diese Rolle passen würde, da er sehr oft mit den Demokraten gestimmt hat (sehr zum Missfallen vieler Republikaner). McCain konnte nicht in allen drei Teilbereichen gewertet werden, da er nicht oft genug mitgestimmt hatte. Im Teilbereich „Soziales“ kommt er aber auf den Punktestand 59 (also in 59% aller Fälle hat er mit den Republikanern gestimmt, in 41% der Fälle mit den Demokraten).

Es gibt auch andere Berechnungsmethoden, in denen Obama nicht so weit links liegt.

Black Liberation Theology

Obama gehörte lange Zeit der Trinity United Church of Christ an. Die spezielle Ausrichtung dieser Kirche wird Black Liberation Theology genannt. Die Black Liberation Theology hat eine Idiologie, die stark auf den ökonomischen Ausgleich und die „Verdammung“ von (weißen) Reichen setzt. Kritiker sprechen davon, dass Jesus als eine Art schwarzer, maxistischer Rebell dargestellt wird.

Obama hat sich vom ehemaligen Pastor der Kirche, Jeremiah Wright, distanziert. Dies erfolgte jedoch hauptsächlich wegen der vollkommen abstrusen Aussagen Wrights zu Themen wie z.B. AIDS oder 9/11. Mann kann aber vermuten, dass er grundlegende Vorstellungen der Black Liberation Theology teilt, da Obama seiner Kirche und speziell Wright sehr verbunden war. Obama in „The Audacity of Hope“ (Kapitel 6):

Out of necessity, the black church rarely had the luxury of separating individual salvation from collective salvation. It had to serve as the center of the community’s political, economic, and social as well as spiritual life; it understood in an intimate way the biblical call to feed the hungry and clothe the naked and challenge powers and principalities. In the history of these struggles, I was able to see faith as more than just a comfort to the weary or a hedge against death; rather, it was an active, palpable agent in the world. […] It was because of these newfound understandings—that religious commitment did not require me to suspend critical thinking, disengage from the battle for economic and social justice, or otherwise retreat from the world that I knew and loved—that I was finally able to walk down the aisle of Trinity United Church of Christ one day and be baptized.

„The Audacity of Hope“ war übrigens der Titel der ersten Predigt, die Obama von Rev. Wright gehört hat (Barack Obama, „Dreams from My Father“, Kapitel 14).

Kontakte zu Linksradikalen: Bill Ayers

Die Organisation „Weather Underground„, „Weatherman“ oder WUO war sowas wie die amerikanische Ausgabe der RAF. Sie erklärten den USA den Krieg. Nachdem bei einem Fehler während der Herstellung einer Bombe in Greenwich Village drei Mitglieder der WUO getötet wurden, verwarf die WUO alle Pläne, die Menschenleben gefordert hätten und beschränkte sich darauf Infrastruktur und symbolische Einrichtungen anzugreifen. Es wurden u.a. Bomben im Pentagon und Capitol zur Explosion gebracht.

Zwei der elf Gründer der WUO waren Bill Ayers und Bernardine Dohrn (miteinander verheiratet). Ayers und Dohrn wurden 1998 von Connie Chung/ABC News interviewt und Ayers sagte:

We made mistakes, and we’d do it again. I wish that we’d done more. I wish we’d been more militant. I wish a lot of things. But taken as a whole, we were so lucky to be born into that moment in history.

Obama, Ayers und Dohrn arbeiteten in Chikago als Community Organizers der Woods Foundation. Obama und Ayers waren zeitgleich im Vorstand der Foundation. Die Arbeit der Community Organizers wurde stark durch die Arbeiten von Saul Alinsky beeinflusst.

Obama startete seine Politische Karriere im Haus von Ayers. David Axelrod (politischer Berater von Obama) antwortete auf eine Frage zum Verhältnis zwischen Obama und Ayers:

Bill Ayers lives in his neighborhood. Their kids attend the same school. … They’re certainly friendly, they know each other, as anyone whose kids go to school together.

Die Kinder von Ayers und Obama sind zwar auf die selbe Schule gegangen (University of Chicago Laboratory Schools), aber natürlich nicht gleichzeitig. Die Kinder von Ayers sind erwachsen, während Obamas erstes Kind 1998 geboren wurde. Dohrn ist allerdings noch in der Schulverwaltung aktiv.

Das American Issues Project erstellte einen Werbespot gegen Obama:

Obama versucht den Werbespot zu stoppen, indem sie beim Justizministerium eine Beschwerde (hier und hier) gegen AIP eingebracht haben.

Chicago Annenberg Challenge war eine Organisation in Chicago mit dem Ziel, die Schulbildung zu verbessern. Ayers und Obama haben zeitgleich in dieser Organisation gearbeitet. Stanley Kurtz ist ein Journalist, der schon seit längerem die Verbindungen zwischen Obama und Chicagoer Kirchenführer und Linksextremisten untersucht. Er wollte auch Untersuchen,  ob und wie Ayers und Obama im Rahmen der CAC zusammengearbeitet haben. Die Dokumente dazu lagern in der „Richard J. Daley Library at the University of Illinois at Chicago“, der Zugriff auf die Dokument wurde ihm aber zunächst verweigert. Am 26. August wurden die Dokumente dann aber doch freigegeben. Kurtz war am 28. August Gast in der Sendung „Extension 720 with Milt Rosenberg“ des lokalen Chicagoer Radiosenders WGN. Die Obama Wahlkampf Kampagne schrieb vor der Sendung an Unterstützer ein EMail, in dem dazu aufgefordert wurde bei WGN anzurufen, WGN wurde daraufhin mit Anrufen und EMail geflutet. Das Angebot von WGN, einen Mitarbeiter des Wahlkampfteams von Obama in der Sendung auftreten zu lassen wurde augeschlagen.

Kontakte zu Linksradikalen: Frank Marshall Davis

Frank Marshall Davis war Poet, Journalist und linker Aktivist. Er war Mitglied der Communist Party USA.

Obama schreibt in seinem Buch „Dreams from My Father“ über einen gewissen Frank, der großen Einfluss auf ihn gehabt hat, speziell bei der Suche nach seiner Identität (bzw. was es bedeutet, Schwarz zu sein).

Es wurde schon länger vermutet, dass es sich um Frank Davis handelt. In „Unfit for Publication„, der Antwort von Obamas Wahlkampfteam auf das Buch „The Obama Nation“ wurde das auch bestätigt.

Frank zu Obama, nach einem Streit zwischen Obamas Großeltern darüber, dass sich Obamas Großmutter von einem Schwarzen bedroht fühlte (Dreams from My Father, Kapitel 4):

“What I’m trying to tell you is, your grandma’s right to be scared. She’s at least as right as Stanley is. She understands that black people have a reason to hate. That’s just how it is. For your sake, I wish it were otherwise. But it’s not. So you might as well get used to it.”
[…] [I, Obama] walked back to the car. The earth shook under my feet, ready to crack open at any moment. I stopped, trying to steady myself, and knew for the first time that I was utterly alone.

Diese Geschichte wird jedoch nur sehr selten erwähnt, da es keinen Hinweis darauf gibt, dass Davis Obama politisch beeinflusst hat. Es war mehr eine Art von Vater-Sohn Beziehung.

2 Responses to “Obama und die rechten Medien in den USA: Obama der Marxist”


  1. 1 bellerophon 4. September 2008 um 17:55

    Obwohl ich glaub, dass viel davon erfunden oder übertrieben ist, finde ich es trotzdem toll, dass du mit deinem Blog mal die Argumente der andere Seite im Präsidentschaftswahlkampf beleuchtest. In Europa haben sich ansonsten die Medien ja schon auf „ihren“ Kandidaten festgelegt und üben sich in Agitprop. Obwohl ich auch für Obama als nächsten Präsidenten bin, finde ich den Beitrag super im Sinne des Pluralismus.

  2. 2 Michael 4. September 2008 um 23:50

    @bellerophon: Erfunden ist daran nichts. Allerdings ist es insofern einseitig, dass es ja z.B. nicht automatisch sein muss, dass jemand, der mit einem linken Terroristen bekannt/befreundet ist, auch Marxist ist.

    Allerdings macht es die Linke ja wie man jetzt bei Sarah Palin sieht keineswegs anders. Rush Limbaugh hat jedenfalls schon angekündigt, dass damit der „Wright-Waffenstillstand“ aufgekündigt wurde und er im Oktober mit neuen Wright-Geschichten kommen wird.


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