Archiv für September 2008

Die wichtigste Frage zur Finanzkrise

Bei der Recherche zu einem neuen Eintrag über die Finanzkrise bin ich über die wohl wichtigste Frage gestolpert: But what does it mean for the protitutes?

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LA Times, 31.5.1999 – eine Erfolgsgeschichte

Die LA Times schreibt am 31.5.1999 über den Häuserboom der 90er-Jahre:

It’s one of the hidden success stories of the Clinton era. In the great housing boom of the 1990s, black and Latino homeownership has surged to the highest level ever recorded. The number of African Americans owning their own home is now increasing nearly three times as fast as the number of whites; the number of Latino homeowners is growing nearly five times as fast as that of whites.

Es ist einer der verborgenen Erfolgsgeschichten der Clinton-Ära. Während des großen Häuserboom der 90er, ist die Anzahl der Eigenheime von Schwarzen und Latinos auf den höchsten jemals erreichten Stand nach oben geschnellt. Die Anzahl Schwarzer, die ein Eigenheim besitzen steigt jetzt dreimal so schnell, wie die Anzahl Weißer mit Eigenheim, die von Latino-Hausbesitzern fünfmal so schnell.

Die Gründe dafür sind auch klar:

In 1992, Congress mandated that Fannie and Freddie increase their purchases of mortgages for low-income and medium-income borrowers. Operating under that requirement, Fannie Mae, in particular, has been aggressive and creative in stimulating minority gains. It has aimed extensive advertising campaigns at minorities that explain how to buy a home and opened three dozen local offices to encourage lenders to serve these markets. Most importantly, Fannie Mae has agreed to buy more loans with very low down payments-or with mortgage payments that represent an unusually high percentage of a buyer’s income. That’s made banks willing to lend to lower-income families they once might have rejected.

1992 beauftragte der Kongress Fannie und Freddie damit, den Kauf von Hypotheken von Kreditnehmern mit niedrigem und mittlerem Einkommen zu erhöhen. Unter dieser Auflage war es speziell Fannie Mae, das mit aggressiven und kreativen Methoden den Minderheitenanteil steigerte. Fannie Mae widmete den Minderheiten umfangreichen Werbekampagnen, in denen erklärt wird, wie man ein Haus kauft und öffnete drei Dutzent lokale Büros um Kreditgeber zu animieren, diese  Märkte zu bedienen. Am wichtigsten war aber, dass Fannie Mae zugestimmt hat, mehr Kredite mit niedriger Anzahlung oder mit Raten, die ein unüblich hohen Anteil am Einkommen des Kreditnehmer ausmachen zu kaufen. Dadurch waren die Banken gewillt, Geld an Familien mit niedrigem Einkommen zu verleihen, die früher vielleicht zurückgewiesen worden wären.

Aber es bleibt noch viel zu tun:

The top priority may be to ask more of Fannie Mae and Freddie Mac. The two companies are now required to devote 42% of their portfolios to loans for low- and moderate-income borrowers; HUD, which has the authority to set the targets, is poised to propose an increase this summer. Although Fannie Mae actually has exceeded its target since 1994, it is resisting any hike. It argues that a higher target would only produce more loan defaults by pressuring banks to accept unsafe borrowers. HUD says Fannie Mae is resisting more low-income loans because they are less profitable.

Die höchste Priorität wird sein, von Fannie Mae und Freddie Mac mehr zu verlangen. Die beiden Firmen müssen nun 42% ihrer Kreditportfolios auf Darlehen für Kreditnehmer mit niedrigem oder mittlerem Einkommen verwenden. HUD [United States Department of Housing and Urban Development, Ministerium für Wohnbau und Stadtentwicklung], das die Ermächtigung hat diese Ziele festzulegen, wird eine Erhöhung für diesen Sommer vorschlagen. Obwohl Fannie Mae die Ziele seit 1994 überschritten hat, leistet es Widerstand gegen die Erhöhung. Fannie Mae argumentiert, dass höhere Ziele nur mehr Kreditausfälle produzieren würde, weil Banken dazu gedrängt würden, unsicherer Kreditnehmer zu akzeptieren. HUD sagt, dass Fannie Mae gegen mehr Darlehen für niedrige Einkommen ist, weil diese weniger profitabel sind.

Der Weg zur Hölle ist mit guten Vorsätzen gepflastert.

Die Ursachen der Kreditkrise

Über die Ursachen der aktuellen Kreditkrise in den USA konnte man in den letzten Tagen viel lesen. Vielfach wurden die Gründe in der Gier der Beteiligten oder sogar im Versagen der Marktwirtschaft gesehen. Der Wahre Grund für diese Krise ist jedoch die politische Beeinflussung der Banken, in diesem Fall eine Bekämpfung von angeblichem Rassismus bei der Kreditvergabe und der Kauf von Wählerstimmen durch Bereitstellung „flexibler“ Kredite.

Grundlagen

Zunächst einige Begriffe.

Sekundärmarkt / Secondary Market

Als Sekundärmarkt wird der Handel mit Krediten zwischen den Banken bezeichnet (nicht nur mit Krediten, wir sprechen hier aber nur über Kredite). Wenn eine Bank einen Kredit vergibt, kann sie den Kredit weiterverkaufen. Der Käufer übernimmt dann auch das Risiko.

Verbriefung/Securitzation

Bei einer Verbriefung überträgt der Verkäufer bestimmte Vermögenspositionen (in diesem Fall Hypothektenkredite) an einen Käufer. Der Käufer refinanziert den Kauf, indem er Wertpapiere ausgibt. Diese Wertpapiere werden Assets-backed security (ABS) genannt. Einige europäische Banken hatten Probleme, weil sie große Summen in ABS investiert hatten, die plötzlich nichts mehr wert waren.

Fixed Rate Mortgage – FRM

FRMs sind Kredite mit fixem Zinssatz. In den USA ist ein FRM über 30 Jahre die übliche Art ein Haus zu finanzieren.

Ajustable Rate Mortgage – ARM

ARMs sind Kredite mit veränderlichen Zinsen. Typischerweise sind die Zinsen zunächst niedrig und werden nach ein paar Jahren erhöht.

Subprime Loans

Subprime Loans sind Kredite, die nicht die Standards von Fannie oder Freddie erfüllen, also Kredite mit höherem Risiko. Subprime Loans sind fast immer ARM’s. Siehe auch hier.

Zeitliche Abfolge

1938 Gründung von Fannie Mae

1938 wurde Fannie Mae, genauer die „Federal National Mortgage Association“ im Rahmen des New Deal Programms von Franklin Delano Roosevelt (FDR) gegründet. Die Aufgabe von Fannie war, Liquidität auf dem Hypothekenmarkt zur Verfügung zu stellen. Das geschieht vor allem dadurch, dass Fannie Mae auf dem Sekundärmarkt aktiv ist. Private Kreditgeber können ihre Kredite an Fannie Mae am Sekundärmarkt weiterverkaufen. Diese Kredite sind deswegen Staatlich abgesichert.

1968 Privatisierung von Fannie Mae

Fannie Mae wurde 1968 privatisiert. Die Unternehmensform wird GSE genannt (Government Sponsored Enterprise). Die Kredite sind weiterhin implizit durch den Staat gesichert:

Fannie Mae and Freddie Mac are Congressionally-chartered, publicly-owned corporations whose shares are listed on the New York Stock Exchange. Under terms of their GSE charters, they are exempt from state and local taxation and from registration requirements of the Securities and Exchange Commission. Each firm has a back-up credit line with the U.S. Treasury.

1970 Gründung von Freddie Mac

1970 gründete die Regierung Freddie Mac, ganauer „Federal Home Loan Mortgage Corporation“. Freddie Mac hatte praktisch die selbe Aufgabe wie Fannie Mae, also mehr Liquidität auf dem Hypothektenmarkt zu Verfügung zu stellen. Man hofft jedoch auf bessere Voraussetzungen, da es für Fannie Mae jetzt einen Konkurrenten gibt.

1975 Home Mortgage Disclosure Act (HMDA)

Der HMDA verpflichtet Kreditgeber, dem Staat Auskunft über seine Kreditvergabe zu geben. Die Bank muss ein „Loan Application Register“ führen, in dem Daten aller Kreditanträge erfasst werden. Darin enthalten sind u.A. Betrag, Ort, und ob der Kredit gewährt wurde.

1977 Jimmy Carter: Community Reinvestment Act

Der Community Reinvestment Act (CRA) schreibt Banken vor, Kredite am gesamten Markt zu vergeben. Es verbietet Banken, Kredite nur in reicheren Gegenden zu vergeben. Diese Praxis wurde als redlining bezeichnet. Verstöße einer Bank gegen den CRA führen dazu, dass z.B. Aquisisationen oder das Eröffnen von Zweigstellen nicht erlaubt werden.

1989 Änderungen am HMDA

Die Daten des Loan Application Register müssen jetzt auch die Rasse des Antragstellers enthalten.

1992 Mortage Lending in Boston

Die Federal Reserve Boston veröffentlicht eine Untersuchung über die Kreditvergabe: „Munnel et al., Mortage Lending in Boston: Interpreting the HMDA Data„. Nach Auswertung der HMDA Daten und weiterer separat ermittelter Daten (z.B. Einkommen usw.), wurde festgestellt, dass es eine Rassendiskriminierung in der Kreditvergabe gibt.

Diese Studie wurde wegen Fehlern z.T. stark kritisiert (z.B. hier).

1992 Leitfaden zur Chancengleichheit bei der Kreditvergabe

Noch im selben Jahr veröffentlicht die Federal Reserve Bosten „Closing the Gap – A Guide To Equal Opportunity Lending„. Darin enthalten ist z.B.:

Unintentional discrimination may be observed when a lender’s underwriting
policies contain arbitrary or outdated criteria that effectively
disqualify many urban or lower–income minority applicants.

Als „arbitary or outdated criteria“ werden auch Anzahlung und Bonität genannt. Hier wird das erste mal eine Aufweichung der Kreditvergabekriterien zur Bekämpfung von Rassismus vorgeschlagen.

1992 The Federal Housing Enterprises Financial Safety and Soundness Act of 1992

Der Federal Housing Enterprise Financial Safety and Soundness Act of 1992 stellt Fannie/Freddie unter der Kontrolle des Office of Federal Housing Enterprise Oversight (OFHEO). as OFHEO untersteht dem Department of Housing and Urban Development (HUD). Die Aufgabe von OFHEO ist die Kontrolle von Fannie und Freddie. Die Aufgabe von OFHEO ist aber nicht nur, dass Fannie und Freddie nicht in wirtschaftliche Schwierigkeiten geraten, sondern auch, dass ein vorgeschriebener Teil an Krediten von Hausbesitzern mit niedrigem Einkommen gekauft werden (siehe auch hier):

The legislation that established OFHEO also requires Fannie Mae and Freddie Mac to meet certain affordable housing goals set annually by the Secretary of Housing and Urban Development. These goals specify the share of mortgages that the two GSEs are required to purchase annually from low-income, moderate-income and central-city homebuyers.

31.1.1995 Änderungen von Clinton am CRA

Die Änderungen Clintons umfassen genaue Kriterien, mit denen festgestellt werden kann, ob Banken den CRA erfüllen. Vorher war die Definition etwas schwammig. Akquisitionen und Fusionen werden nicht erlaubt, wenn eine Bank die Kriterien nicht erfüllt.

1995 Housing Goal Levels für Fannie/Freddie werden festgesetzt

Henry Cisneros, HUD-Ministet, legt die Housing Goal Levels auf 40% Low and Moderate Income (LMI) und 21% Underserved Areas fest. Zwischen 1997 und 2000 werden die Ziele auf 42% und 24% erhöht. Siehe dazu hier und folgenden Seiten.

2000 Bericht des Finanzministeriums über die Folgen von Clintons Änderungen am CRA

Ein Bericht des Finanzministeriums untersucht die Auswirkungen der Änderungen des CRA. Es wird festgestellt, dass die CRA-Kredite zwischen 1993 und 1998 um $600 Milliarden gestiegen sind.

2000 Bericht der Fannie Mae Foundation über Countrywide

In einem Bericht lobt die „Fannie Mae Foundation“ die Bank Countrywide für ihr Engagement für Minderheiten.

Countrywide tends to follow the most flexible underwriting criteria permitted under GSE and FHA guidelines. Because Fannie Mae and Freddie Mac tend to give their best lenders access to the most flexible underwriting criteria, Countrywide benefits from its status as one of the largest originators of mortgage loans and one of the largest participants in the GSE programs.

Die möglichst weit reichende Ausreizung der gesetzlichen Vorschriften bezüglich der Kreditvergabe wird also als etwas Positives und als Akt der Antidiskriminierung gesehen.

Countrywide vergab 1992 Kredite im Wert von $1 Milliarde an Haushalte mit niedrigem Einkommen, 1999 waren es $80 Milliarden und 2003 $600 Milliarden.

2000 Housing Goal Levels für Fannie/Freddie werden geändert

Die Housing Goal Levels für Fannie/Freddie liegen jetzt (ab 2001) bei 50% Low and Moderate Income, 20% Special Affordable und 31% Underserved Areas.

Franklin Raines, CEO von Fannie Mae sagt dazu:

We have not been a major presence in the subprime market, but you can bet that under these goals, we will be.

2000 war übrigens ein Wahljahr.

2001 HUD-Studie weist auf hohe Foreclosure – Raten bei Subprime-Krediten hin

Eine Studie von HUD weist auf die hohe Forclosure-Rate bei Subprime-Krediten hin:

Studies of each of these markets found very high levels of foreclosures by subprime
lenders. In the three markets with data available on trends in foreclosures over time, it
was found that foreclosures by subprime lenders grew sharply during the 1990s even
as foreclosures by other lenders declined or grew at a much more moderate pace.

Und weiter:

But given the very high concentration of these loans in low-income and African-American
neighborhoods, the growth in subprime lending and resulting very high levels of
foreclosure is a real cause for concern.

2003 Bush versucht den CRA zu ändern

Bush versucht den CRA zu ändern. Die geplanten Änderungen werden von der NYT zwar als weitreichend beschrieben, allerdings wären die staatlichen Garantien trotzdem erhalten geblieben. Es gibt starken Widerstand von Demokraten. Barney Franks, Vorsitzender (damals und heute) der Bankenaufsicht (House Financial Services Committee) sagte:

These two entities, Fannie Mae and Freddie Mac, are not facing any kind of financial crisis. The more people exaggerate these problems, the more pressure there is on these companies, the less we will see in terms of affordable housing.

Mel Watt, ebenfalls Mitglied des House Fincancial Service Committee, sage:

I don’t see much other than a shell game going on here, moving something from one agency to another and in the process weakening the bargaining power of poorer families and their ability to get affordable housing.

Aufgrund des starken Widerstands scheitert die Initiative.

2004 Fannie und Freddie erreichen die Ziele von 2003 knapp

Es wird festgestellt, dass Fannie/Freddie die Ziele 2003 knapp geschafft haben. Unter welchem Druck Fannie/Freddie stehen kann man hier lesen:

The [HUD] department also said that after an extensive review of the deals, officials had decided to allow the year-end transactions – one by Fannie Mae and two by Freddie Mac – to be counted.

The companies‘ separate yet similar deals with financial powerhouses Citibank and Washington Mutual involved mortgages on multifamily buildings. The deals were designed to help Fannie Mae and Freddie Mac meet the affordable housing targets.

Without those deals, Fannie Mae and Freddie Mac would have fallen short of the goals in all three performance gauges: financing mortgages for low- and moderate-income home buyers, in underserved areas and for poor families, said John Weicher, an assistant HUD secretary.

Die Entscheidung, dass Investitionen von Fannie/Freddie am Subprime-Markt zur Erreichung ihrer Ziele beiträgt war ein großer Fehler. Der Subprime Markt wurde somit durch Fannie/Freddie „angeheizt“.

25.2.2004 Alan Greenspan warnt vor den Fannie und Freddie

Alan Greenspan warnt vor einem systematischen Risiko in Bezug auf Fannie und Freddie, das den Steuerzahler große Summen kosten könnte.

2004 Die Housing Goal Levels für Fannie/Freddie werden weiter erhöht

Die Housing Goal Levels werden weiter erhöht:

Wieder eine Erhöhung im Wahljahr – dieses mal von Bush.

April 2005 Bankruptcy Abuse Prevention and Consumer Protection Act (BAPCPA)

Der BAPCPA erschwert und verteuert den Privatkonkurs. Es gibt Studien, die z.T. 100.000e Forclosures auf dieses Gesetz zurückführen. Andere halten das für stark übertrieben. Siehe z.B. hier.

Brisant ist dabei, dass Joe Biden und die Bankenindustrie einer der stärksten Befürworter des Gesetzes war.

Dezember 2005 OCC erhöht Mindesteinzahlung für Kreditkarten

Das Office of the Comptroller of the Currency (OCC) ändert die Berechnung der Mindestzahlung für Kreditkartenschulden, d.h. Kreditkarteninhaber mit Schulden auf der Kreditkarte müssen monatliche mehr zurückzahlen. Obwohl die Änderungen nur minimal sind, ist das für Kreditnehmer, die äußerst knapp kalkuliert haben ein Problem.

Zusammenfassung

Aufgrund massiver politscher Einflussnahme am Kreditmarkt wurden Fannie und Freddie dazu gedrängt riesige Summen in den Subprimemarkt zu pumpen. Durch die impliziten Staatsgarantien für Fannie und Freddie wurde der Markt verzerrt – auf einem Markt mit richtigem Wettbewerb und ohne Staatsgarantieen wären die Subprime-Kredite vermutlich viel teurer gewesen, da die privaten Kreditgeber ihre Kredite nicht einfach beim Staat absichern hätten können.

Die Grundlage für die Krise wurden in der Clinton-Administration gelegt. Die schädliche Politik wurde unter der Bush-Administration fortgeführt und durch die erhöhung der Ziele für Fannie/Freddie weiter verschlimmert. Maßnahmen der Bush-Administration zur besseren Kontrolle von Fannie/Freddie kamen nicht nur viel zu spät sondern wurden auch noch von den Demokraten blockiert, die Existenz von Probleme wurde abgestritten.

Zusätzlich gab es 2005 noch zwei gesetzliche Änderungen für Kreditnehmer, die die Krise noch verschärften.

Die Vorstellung, dass die Krise ein Versagen der Marktwirtschaft ist, ist vollkommen falsch. Die Krise ist das Resultat aus der Verzerrung des Kreditmarkts durch intensive Interventionen der Regierung. Hätte der Staat  die halbstaatlichen Banken nicht zur massiven Investition am Subprime-Markt gedrängt, wäre die Häuserblase schon vor vielen Jahren geplatzt und hätte niemals einen solchen Schaden anrichten können.

Es gab nicht zuwenig Regulierung – es gab zuviel Regulierung.

Chicago Thug Politics

Obama Werbung

Obama hat eine neue Werbung auf Spanisch veröffentlicht. Die Werbung läuft unter der Bezeichnung „dos caras“, was wörtlich „zwei Gesichter“ heißt und „Doppelzüngigkeit“ bedeutet (wie im Englischen „two faced“).

Der Sprecher sagt zuerst: „“Sie möchten, dass wir die Beleidigungen vergessen, die wir erdulden mussten, die Intoleranz„. Dann werden unten Zitate von Rush Limbaugh eingeblendet: „Mexikaner sind dumm und unqualifiziert“ und „Halt die klappe oder verschwinde.„. Dann der Sprecher weiter: „Sie erzeugten bei uns das Gefühl an den Rand gedrängt zu werden, in einm Land, das wir so sehr lieben. John McCain und seine republikanischen Freunde haben zwei Gesichter. Das eine erzählt Lügen, nur um unsere Stimmen zu bekommen und das Andere – noch schlimmer – führt die fehlgeschlagene Politik von George Bush fort, die die Interessen von Interessenverbänden vor die Interessen arbeitender Familien stellt. John McCain – mehr von den selben alten Republikaner-Tricks.

Rush Limbaugh ist der erfolgreichste konservative Talk-Radio Host (13 Mio. Zuhörer). Limbaugh und McCain stimmen was die Einwanderungspolitik betrifft überhaupt nicht überein. McCain wurde wiederholt von Konservativen wegen seiner liberalen Einwanderungspolitik kritisiert. So will McCain zwar die Grenzen sichern, aber er will für die meisten illegalen Einwanderer in den USA eine Amnestie. Zitate über die Einwanderungspolitik von Limbaugh mit McCain in Verbindung zu bringen ist schon mal hochgradig unfair. Jeder der auch nur einmal Rush Limbaugh hört weiß, dass er von McCain nicht gerade begeistert ist.

Was aber dazu kommt: Die Zitate sind aus dem Zusammenhang gerissen.

Im ersten Zitat geht es um NAFTA. Ein Anrufer beschwert sich bei Limbaugh, dass viele Jobs nach Mexiko ausgelagert werden. Limbaugh entgegnet, dass nur nicht ausgebildete Amerikaner sich Sorgen um Jobs machen müssen und dass NAFTA neue, qualifizierte Jobs erzeugen wird. Die unqualifizierten Jobs der dummen, nicht ausgebildeten Amerikaner werden danach von dummen, nicht ausgebildete Mexikanern erledigt.

Das zweite Zitat ist noch weiter aus dem Zusammenhang gerissen: Limbaugh stellt eine Liste mit Regeln für Immigranten auf. Die Regeln sind alle ganz Furchtbar – danach erfährt man aber, dass das die tatsächlichen Regeln für Immigranten in Mexiko sind.

Obama Thug Politics

Diese unangenehme Seite Obamas wird von Limbaugh als „Chicago Thug Politics“ bezeichnet. Diese Bezeichnung wurde aber nicht von Limbaugh erfunden, sondern von Bill Clinton, der Obama als „Chicago Thug“ bezeichnet hat – eine Anspielung auf die politischen Zustände in Chicago, wo Obama seine politische Laufbahn begonnen hat (siehe z.B. Tony Rezko) und natürlich auch auf die bekannten Gangster von Chicago (Al Capone).

Siehe dazu den Kommentar von ABC News und Limbaughs Kommentare dazu hier und hier.

Der Klimaschutz und die Reaktion

Ich hab mal wieder SpOn gelesen. Gregor Peter Schmitz schreibt:

Dabei umwirbt Obamas Team seit Monaten gezielt vor allem jüngere Evangelikale. Sie wissen: Viele sind die Wahl- und Kulturkämpfe der Altvorderen leid und haben neue Themen entdeckt. Globale Armut, HIV, Klimaschutz oder den Kampf gegen Völkermord. Der Nachwuchs will lieber für Arme und den Umweltschmutz kämpfen, als gegen Schwule zu hetzen. Es ist möglich, dass Palins Benennung die Jüngeren der klassischen Basis weiter entfremdet. Immerhin vertritt die Ex-Schönheitskönigin aus Alaska zu Fragen wie dem Klimaschutz fast reaktionäre Ansichten – und weckt mit ihren polarisierenden Reden Ängste vor neuen Kulturkämpfen.

Dass Schmitz offensichtlich den Unterschied zwischen rechten und linken Evangelikalen nicht begriffen hat sei geschenkt.

Aber dass er Palins vom angeblichen wissenschaftlichen Konsens abweichenden Ansichten zum Klimaschutz als „reaktionär“ bezeichnet ist schon ein starkes Stück. Nicht nur, dass „reaktionär“ ein diffamierende Wort ist – es gibt nur sehr wenige, die sich selbst als „reaktionär“ bezeichnen: durch die Verwendung von Begriffen wie „reaktionär“ in Zusammenhang mit dem Klimaschutz, wird diesem Thema der letzte Anschein von Wissenschaftlichkeit genommen. Schmitz stellt damit Fragen des Klimaschutzes (bzw. globaler Erwärmung im Allgemeinen) auf die gleiche Ebene wie z.B. Familienpolitik, also Klimaschutz als eine ideologische Frage.

Wahlomat

Wahlkabine 08 hat festgestellt:

Dagegen kann ich nichts einwenden. Dass ich normalerweise ÖVP wähle, dieses mal aber sowas von unzufrieden mit der ÖVP bin, dass ich mir ernsthaft überlege Weiß zu wählen ist recht gut abgebildet.

Hingegen weiß die Politikkabine ein etwas kurioses Ergebnis zu berichten:

Ja, Die Christen – was soll ich dazu sagen? Nach meiner Meinung, ob die Meinungsfreiheit aufgrund religiöser Befindlichkeiten eingeschränkt werden darf, wurde beim Politikkabine-Test nicht gefragt.

Die kalten Progressen der Grünen

Ich war heute hoch erfreut, als ich folgende Forderungen der Grünen gelesen habe:

Viel sinnvoller wäre eine Lohn- und Einkommenssteuersenkung für untere und mittlere Einkommen, eine höhere Steuergutschrift für niedrige Einkommen sowie die Abschaffung der kalten Progressen und eine Stärkung des Wettbewerbs.

Ich vermutete zwar zunächst, dass die Grünen nicht die „kalten Progressen“ abschaffen wollten, sondern die „kalte Progression“. Ich bin mir immer noch nicht sicher, vielleicht gibt es die „kalten Progressen“ tatsächlich und das alles ist nur eine gigantische Wissenslücke von mir. Aber ich dachte zunächst, dass es ein einfacher Tippfehler ist.

Interessant ist aber, dass die „kalten Progressen“ Einzug in den ORF, Standard, die Presse, Kleine Zeitung, Kurier und einige andere, unbedeutendere Online-Medien gehalten haben.

Oder ist das eine Art der Journalisten-Ethik, dass man Tippfehler in Presseaussendungen nicht ausbessern darf?

Apropos Tippfehler: Einkommenssteuersenkung oder Einkommensteuersenkung? Bei Ersterem beschwert sich mein Wörterbuch.