Indikatoren der Wirtschaftskrise (1)

Ich werde versuchen in einigen Einträgen einige Kenndaten vorzustellen, an denen man die aktuelle Krise ablesen kann und man dann hoffentlich auch irgendwann erkennen kann, dass die Krise vorüber ist. Im Sidebar meines Blogs werden die aktuellen Werte der wichtigsten Kenndaten (ziemlich) tagesaktuell angezeigt.

LIBOR

Die London Interbank Offered Rate (LIBOR) ist der Zinssatz, mit dem sich große internationale Banken gegenseitig Geld leihen (Interbankgeschäfte). Solche Kredite sind unbesichtert, d.h. es hängt von der Reputation der Bank ab. Die LIBOR ist im Prinzip der gewichtete Durchschnitt der Zinssätze, zu denen die Banken am BBA Libor Panel Kredite angeboten bekommen.

Libor-Kredite werden nach Laufzeit aufgeteilt. Besonders interessant ist hierbei der Overnight Satz, das es der Satz für Kredite die nur einen Tag laufen. Weiters ist der 3-Monat Libor Kredit besonders gebräuchlich.

Libor

Die beiden Spitzen im O/N-Libor sind der Zusammenbruch der Lehman Brothers am 15.9. und die Ablehnung des Rettungspakets durch den US-Kongress am 29.9..

Am 30.9. sagte Christoph Rieger, ein Banker aus Frankfurt zu Bloomberg.com:

The money markets have completely broken down, with no trading taking place at all. There is no market any more. Central banks are the only providers of cash to the market, no-one else is lending.

Der Geldmarkt ist komplett zusammengebrochen, es findet kein Handel mehr statt. Es gibt keinen Markt mehr. Zentralbanken sind die einzigen Geldlieferanten am Mark, niemand sonst verleiht Geld.

Libor-OIS Spread

Im Juni hat Alan Greenspan gesagt, dass sich die Wirtschaft sich normalisieren wird, wenn der Libor-OIS Spread auf 25 Basispunkte (0.25%) zurückkehrt.

Wir haben gesehen, dass der Libor ein Kredit ohne Sicherheiten zwischen großen Banken ist. Es ist also auch ein Mass für das Vertrauen zwischen Banken.

OIS – Overnight Index Swap

OIS ist die Abkürzung für Overnight Index Swap. Zunächst, was ist eine Swap: Ein Swap ist die Vereinbarung zwischen zwei Vertragspartnern, Zahlungsströme auszutauschen. Es geht dabei oft darum, finanzielle Risiken abzusichern (hedgen). Ein OIS ist ein Zinsswap, bei dem ein Vertragspartner einen fixen Zinssatz und der andere Vertragspartner einen variablen Zinssatz hat. Dabei sichert sich der eine Vertragspartner vor steigenden Zinsen und der andere Vertragspartner vor fallenden Zinsen. Beiden Vertragspartnern entgeht dabei natürlich der Vorteil von fallenden bzw. steigenden Zinsen. Der variable Zinssatz ist im Fall eines OIS  ein Overnight Index.

OIS (Overnight Index Swap)

In diesem Beispiel verleiht die Bank (Mitte) einen $100 Mio. Kredit mit 4.5% Zinsen an eine Firma (Links). Die Bank refinanziert sich durch Overnight-Kredite. Diese haben jedoch einen variablen Zinssatz – steigt dieser Zinssatz über 4.5% macht die Bank Verlust. Um sich vor steigenden Zinsen abzusichern, geht die Bank mit einem Vertragspartner (z.B. eine Bank) einen Vertrag (OIS) ein. Die Bank bezahlt 4% Zinsen an den Vertragspartner, dieser zahlt den Overnight Zinssatz an die Bank.

Federal Funds Rate

Beim OIS im Libor-OIS-Spread, den Greenspan gemeint hat, handelt es sich um einen OIS, der auf der Federal Funds Rate basiert. Die nominelle Federal Funds Rate ist der wichtigste Leitzinssatz der USA und wird vom FOMC (Federal Open Market Committee) festgelegt, dessen Vorsitzende der Notenbankpräsident (Ben Bernanke) ist. Jede Bank ist verpflichtet, eine gewisse Geldmenge in der Zentralbank vorrätig zu haben. Hat eine Bank einen Überschuss, kann sie diesen an eine andere Bank verleihen, die einen Bedarf hat. Der Zinssatz, der dabei verwendet wird ist die Federal Funds Rate. Der effektive Zinssatz weicht vom Nominellen ab – eine der wichtigsten Aufgaben der FED ist es, durch Offenmarktgeschäfte den effektiven Zinssatz an den nominellen anzupassen.

Fluktuationen in der effektiven Federal Funds Rate und vor allem Änderungen der nominellen Federal Funds Rate durch das FOMC stellen für Banken ein Risiko dar, gegen das sie sich mit einem OIS absichern können. Der OIS Zinssatz entspricht somit der erwarteten Federal Funds Rate. Im Moment sieht das so aus:

OIS, Nominal Federal Funds Rate, Effective Federal Funds Rate

Man sieht, dass der OIS Zinssatz Änderungen in der Federal Funds Rate meistens vorwegnimmt. Auch jetzt wird damit gerechnet, dass die Fed den Leitzinssatz senken wird.

Spread

Beim Spread handelt es sich um die Differenz zwischen zwei Zinssätzen, in diesem Fall zwischen 3 Monate OIS und dem LIBOR Satz.

Libor und OIS, 3 Monate

Libor und OIS, 3 Monate

Libor-OIS spread

Libor-OIS spread

War der Libor-OIS-Spread lange Zeit unter 25 Basispunkten (0.25%), bis er ende Juli 2007 plötzlich stark anstieg. In den letzen Tagen ist er dann sozusagen explodiert. Zur Errinnerung: Der Libor-OIS Spread sollte unter 25 Basispunkten zurückkehren.

TED Spread

Der TED Spread ist ähnlich dem Libor-OIS Spread. Der erste Zinssatz ist ebenfalls der Libor, für den zweiten Zinssatz wird allerdings nicht der OIS verwendet, sondern der Zinssatz für Treasury Bills (T-bills). Treasury Bills sind das risikoärmste Investment, das verfügbar ist – ganz im Gegensatz zu Libor-Krediten. Der Spread betrachtet wiederum 3 Monate. Die Berechnung erfolgt so:

TED Equation

TED Equation

Die erste Zeile ist einfach die Definition des Spread: 3-Monat Libor Zinssatz minus Zinssatz von Treasury Bill. In der zweiten Zeile wurde die Formel einfach erweitert (Libor0 und Target kürzt sich aber raus). Target0 ist dabei die Treasury Funds Rate, Libor0 ist der Overnight-Libor. Die Formel besteht jetzt aus 3 Termen. Der mittlere Term ist normalerweise sehr klein, weil sich kein Mensch sich Libor-Kredite leihen würde, wenn er Treasury Funds viel billiger haben könnte (oder umgekehrt).

Der Linke Term ist der Zinsunterschied zwischen einem Over-night Kredit und einem 3 Monat Kredit. Wie bereits erwähnt sind am Libor nur erstklassige Institutionen beteiligt. Das Risiko von einem Kredit, der nur einen Tag läuft ist überschaubar – zumal bei diesen bedeutenden internationalen Geldinstituten. Aber in drei Monaten? Die Differenz bildet also das Risiko ab, dass ein großes internationales Bankhaus zusammenbricht.

Der Rechte Term ist die Unterschied zwischen dem Leitzinssatz (Federal Funds Rate) und dem Zinsertrag von Treasury Bills. Der Zinssatz für die Treasury Bills sinkt, wenn viele Leute Trasury Bills kaufen – das passiert dann, wenn anderen Investitionen weniger vertraut wird.

Hier die entsprechenden Diagramme:

Libor O/N und Libor 3 Monate

Libor O/N und Libor 3 Monate

Libor O/N und Federal Funds Rate

Libor O/N und Federal Funds Rate

Treasury Bill Rate und Federal Funds Rate

Treasury Bill Rate und Federal Funds Rate

Das Diagramm für den linken Term zeigt, dass bis zum Anfang der Krise (ca. August 2007) zwischen Libor O/N und Libor 3M nur geringe unterschiede waren, d.h. niemand befürchtete, dass innerhalb der nächsten Monate etwas passieren würde, wodurch eine große internationale Banke zusammenbrechen könnte.

Das Diagramm für den mittleren Term zeigt, dass sich der Libor O/N der Federal Funds Rate ziemlich genau folgt, auch nach dem August 2007, abgesehen von diversen Spitzen.

Das Diagramm für den rechten Term zeigt, dass sich der Spread zwischen Treasury Bill und Federal Funds Rate seit dem Beginn der Krise vergrößert hat. Bemerkenswert ist der Wert am 18.9.2008. Dort sind so viele Anleger in Treasury Bills geflohen (weil diese ja die sicherste Anlageform sind), dass der Zinsertrag auf fast 0 gesunken ist, mit anderen Worten die Leute sagten zur Fed: „Bewahr mein Geld sicher auf – ist mir wurscht, dass ich keinen Gewinn macht (bzw. sogar Verlust wegen der Inflation), es muss nur sicher sein.“.

Und jetzt zum TED selber:

TED Spread

TED Spread

Wie man sieht ist der TED Spread anfang August 2007 stark angestiegen und in den letzten Tagen hat er nochmal kräftig zugelegt.

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