Barack Obama und die Reaktion der rechten Medien auf seine Wahl: Teil 2 von 4, Glenn Beck

glennbeck_kleinDas Glenn Beck Program ist das dritt erfolgreichste Talk Radio Programm in den USA (nach Rush Limbaugh und Sean Hanity). Im Gegensatz zu Limbaugh ist Beck weniger auf die Partei fixiert und hat sich lange Zeit gegen McCain ausgesprochen. Erst ca. eine Woche vor der Wahl, nachdem das Tonband von Obama aufgetaucht ist, in dem dieser nicht gerade wohlwollend über die Verfassung spricht hat er gesagt, er werde für Sarah Palin stimmen.

Glenn Beck hält Obama für einen Marxisten, jemanden der Politik in der Tradition der Progressives machen wird, wie z.B. FDR. Das ist deswegen besonders von Bedeutung, das FDR durch seine „soziale“ New Deal Politik die Great Depression in den USA um etliche Jahre verlängert hat (siehe dazu z.B. hier oder das Buch „The Forgotten Man“ von Amity Shlaes). Beck ist der Meinung, dass die jetzige wirtschaftliche Situation zu einer Krise im Ausmass der Great Depression führen wird und dass Obama diese durch seine soziale Politik ähnlich wie FDR verschlimmern könnte.

Ich habe hier jetzt zwei Hörproben, die erste ist die direkte Reaktion auf die Wahl von Obama (also am Mittwoch Morgen) und die zweite ist die Reaktion auf einen Anrufer, der sagt, dass er Obama nicht als seinen Präsident akzeptieren wird.

Zunächst hat Glenn Beck für den Mittwoch noch eine Pitty Party (Selbstmitleidsparty) versprochen. Die hat er dann aber doch abgesagt.

[Die Comedy am Anfang übersetz ich nicht]
Wir werden uns heute nicht selbst bemitleiden, weil das ist ein Augenblick, das ist wirklich ein Augenblick von Hoffnung und Veränderung. Und ich meine nicht mit Barack Obama. Ich meine wegen Barack Obama. Da sind einige Dinge, die wir heute tun können: Wir können uns beklagen oder wir können uns darüber freuen, dass Al Franken nicht gewonnen hat [ob er gewonnen hat oder nicht steht noch nicht fest], wir können uns darüber freuen, dass Alaska – es schaut so aus, aber es ist immer noch zu knapp um es mit Sicherheit sagen zu können, es schaut so aus, als ob Ted Stevens, der Senator von Alaska, der jetzt ein Krimineller ist wiedergewählt wurde. Und Sie denken sich jetzt: „Warum tun die Republikaner das?“. Nein: die weisen, weisen Leute von Alaska entschieden auf den Sitz zu schauen, nicht auf die Person, weil sie wussten, dass sie den Sitz nicht verlieren würden, weil sie wussten, dass Stevens entweder ins Gefängnis geht oder zum Rücktritt gezwungen werden wird und er sollte zurücktreten. Es war also: schau auf den Sitz, nicht auf die Person. Das ist positiv. Das ist positiv.

Wir können auf die Tatsache schauen, dass Obama gewonnen hat und er ist ein Sozialist, ein Marxist. Wir können darauf schauen und sagen: 62 Millionen Menschen haben letzte Nacht für den Sozialismus gestimmt oder wir können darauf schauen, dass 55 Millionen Menschen für die faulste Ausrede eines Kandidaten gestimmt haben, der je von einer konservativen Partei gestellt wurde. Wir können auf 55 Millionen Menschen schauen, die sagten: trotz allen Mängel, die dieser Typ hat, trotzdem, dass er tatsächlich vor Publikum sagte, er wolle für alle Hypothekenkredite bürgen, dass er tatsächlich sagte, dass er Cap-And-Trade machen will. 55 Millionen Menschen hoben tatsächlich ihren Hintern, und sagten: „Nein – wir sind keine sozialistische Nation.“. Und ich halte mir die Nase zu und stimme für McCain.

Was glaubt ihr, wie viele McCain Unterstützer – mit Ausnahme seiner Frau – haben gestern tatsächlich FÜR ihn gestimmt. Das ist wieder meine Theorie, dass man Wahlen nicht gewinnt, indem man für etwas ist, was einfach nur das Gegenteil des anderen Kandidaten ist. Du musst FÜR etwas sein, das ist es, was Amerikaner sind. Amerikaner sind für etwas, wir sind für die Zukunft. Wenn du nur gegen etwas bist, dann lebst du in der Vergangenheit und Amerika hat dich bereits überholt. So wir können jetzt hier sitzen und und selbst bemitleiden, wir können darüber sprechen, dass die Umverteilung kommen wird, aber heute gibt es auch Hoffnung. Hoffnung und nicht Verzweiflung.


[…]


Aber lasst mich sagen: John McCain hätte die republikanische Partei vernichtet. Ihr wisst es und ich weiß es. Ich will mich nicht so fühlen, wie ich mich letzte Nacht fühlte. Aber ich würde mich heute auch irgendwie beschissen fühlen, wenn John McCain gewonnen hätte. Und das ist der Grund: Weil John McCain war nicht unser Kandidat, John McCain war nicht der Republikaner. Jeder sagte zu mir: „Du weißt, wofür Du wählen wirst“. Nein, ich wusste es nicht. Ich wusste es nicht. Ein Teil von mir wollte wirklich dass Barack Obama gewinnt. Wenn es irgend eine andere Zeit in unserer Geschichte wäre, hätte ich für ihn gestimmt.

Viele auf der rechten Seite fühlen jetzt ihre Verpflichtung, sich hinter Obama zu stellen und ihm eine Chance zu geben, weil er ihr Präsident ist. Gerade auch deshalb, weil sie es als zutiefst ungerecht empfungen haben, wie mit Bush umgegangen wurde. So auch Glenn Beck:

Glenn: 888-727-BECK, 888-727-BECK. Ich spreche mit Joe aus Georgia. Hallo Joe, du bist auf dem Glenn Beck Program.
Joe: Hallo, Glenn.
Glenn: Wie gehts dir?
Joe: Mir gehts eigentlich nicht so gut.
Glenn: Oh.
Joe: Und du bist einer der Gründe, warum ich mich heute Morgen nicht so gut fühle.
Glenn: So ein Zufall – das ist der Grund, warum du als erster dran bist. Wir wollten deinen Anruf reinnehmen. Schieß los.
Joe: Du sendest hier wirklich widersprüchliche Signale und ich habe mich gefragt – hör zu, ich hör dir jetzt seit ein paar Wochen zu.
Glenn: Wochen.
Joe: Und ich hab gehört, wie du Barack Obama runtermachst, wie du deinem Ärger über ihn freien Lauf gelassen hast, wie du die ganzen Gründe aufgezählt hast, warum wir nicht für ihn stimmen sollen.
Glenn: Ja.
Joe: Und jetzt sagst du, dass wir brav sein sollen und ihn als unseren Präsidenten akzeptieren sollen.
Glenn: Ja.
Joe: Bis er irgendwas falsch macht.
Glenn: Bis er was?
Joe: Bis er was falsch macht, also bis er uns einen Grund gibt, nicht hinter ihm zu stehen.
Glenn: Ja.
Joe: Ich seh das von der anderen Seite: er ist nicht mein Präsident und ich werde ihn nicht als meinen Präsidenten akzeptieren, bis er mir bewiesen hat, dass er sein Programm und all die Punkte und Dinge die er bis jetzt gesagt hat, dass er die Dinge nicht macht.
Glenn: Wie unamerikanisch von dir, Joe. Gratulation
Joe: Nein, ich bin ein Amerikaner und …
Glenn: Nein, nein, nein. Joe, wie funktioniert Amerika? Wie funktionieren die Wahlen? Erklär mir das.
Joe: Ok, dann – ok. Die Wahl funktioniert so, dass die Leute den wählen, den sie als Präsidenten möchten.
Glenn: Ja. Und wenn die Wahl vorbei ist, wer ist dann gewählt? Der demokratische Präsident oder der republikanische Präsident? Oder ist es der amerikanische Präsident?
Joe: Der, der gewählt wurde.
Glenn: Und wer ist er? Der republikanische Präsident oder der demokratische Präsident oder ist er der amerikanische Präsident?
Joe: Er ist der Präsident, sobald er gewählt wurde.
Glenn: Er ist der – sag es Joe. Er ist der amerikanische Präsident, richtig?
Joe: Er ist der Präsident von Amerika. Wie auch immer, im Moment akzeptier ich ihn nicht…
Glenn: Sag die Worte: er ist der amerikanische Präsident.
Joe: Ich kann ihn nicht als den amerikanischen Präsidenten akzeptieren.
Glenn: Dann Joe, dann bist du unamerikanisch, weil das die Art ist, wie unser System funktioniert und das ist – du bist genau die Art Mensch, die so viele Probleme bei George W. Bush gemacht hat. Wenn das Gericht entscheidet, wie unser System funktioniert, wenn das Höchstgericht entscheidet, du zählst die Stimmen auf die Art, wie es vorgesehen ist und ihr habt das so festgelegt, die Demokraten haben das so festgelegt. Dann müsst ihr euch an diese Regeln halten. Wenn sie die Stimmen so gezählt hatten, wie es festgelegt war und sogar dann noch, als sie sie so gezählt haben, wie sie es versucht hatten und die Regeln geändert haben, George Bush hat dann immer noch gewonnen, dann haben sie immer noch gesagt: „Er ist nicht mein Präsident. Er wurde erwählt aber nicht gewählt.“ Nein, Fakt war, dass er zum Präsidenten der Vereinigten Staaten von Amerika gewählt wurde durch das Höchstgericht bestätigt wurde. Und dann ist die verrückte New York Times hergegangen und hat nochmals gezählt und Al Gore hat immer noch verloren. Und trotzdem haben Menschen immer noch gesagt, dass er nicht ihr Präsident ist. Das war das Problem. Und Joe, du bist jetzt die Person, auf die du wahrscheinlich 2000 geschimpft hast. Barack Obama hat gewonnen. Er ist jetzt unser Präsident. Wer opfern nicht unsere Werte, wir müssen jetzt keine Sozialisten werden. Wir müssen jetzt nicht aufstehen und für Dinge kämpfen, an die er glaubt und die wir ablehnen, aber wir müssen verstehen, dass er der Präsident der Vereinigten Staaten ist. Wirst du also diese neue Art von Amerikaner sein, die uns weiterhin voneinander trennt, die uns auseinander zieht?
Joe: Lass mich eine Frage stellen: Wie kannst du ihn mit gutem Gewissen als Präsidenten akzeptieren, basierend auf all den Sachen usw., die er gesagt hat?
Glenn: Weil Joe, wenn ich an unser System glaube, wenn ich an unsere Verfassung glaube, was ich tue, wenn ich daran glaube, das ist das System, das wir erschaffen haben. Wenn du dieses System ändern willst, dann würdest du in die Kategorie fallen, in der Barack Obama ist [Obamas Radiointerview von 2001 bzw. die allgemeine Ideologie von „Progressives“.].
Joe: Ok, das ist ein sehr gutes Argument. Du hast die Verfassung erwähnt. Gut dann, eine der Bedingungen um auf Grundlage der Verfassung Präsidentschaftskandidat oder Präsident zu werden…
Glenn: Wenn du jetzt auf das mit der Geburtsurkunde hinaus willst, dann glaubt ich, wird mein Kopf explodieren.
Joe: Doch, ich verstehe was du sagst. Es ist ein strittiger Punkt.
Glenn: Joe, du bist nahe dran den ersten GUMP [Get Off My Phone – geh aus meiner Leitung] dieser Präsidentschaft zu bekommen.
Joe: Ich will nur sagen, hypothetisch…
Glenn: Nein, lass uns nicht hypothetisch reden. Ich weiß, das ist das Argument wo wir die „Arguments Against The Idiot“ [eine Serie, die Glenn Beck anlässlich der Wahlen gemacht hat] haben, aber mach es bitte nicht so leicht.
Joe: Nein, nein. Ich sage nur, dass du ja gesagt hast, selbst wenn seine Geburtsurkunde – nur wegen des Arguments –
Glenn: Die Geburtsurkunde, Joe, ging durch die Gerichte. Es wurde abgelehnt [also nicht die Geburtsurkunde, sondern der Einspruch]. Lass uns von den Gerüchten wegkommen. Würden wir auch gerne mit all den Leuten reden, die sagen, dass die Vereinigten Staaten und George Bush die ganzen Leute bei den Dämmen [New Orleans] getötet haben, dass er geplant hat die Dämme zu sprengen? Lass uns mit den Verschwörungstheorien aufhören. Lass uns über die Fakten reden und die Fakten sind, dass er der Präsident von Amerika ist und jeder, der ihn nicht als Präsidenten der Vereinigten Staaten akzeptiert ist einfach nur unamerikanisch. Das bedeutet nicht, dass du alles akzeptieren musst, was er tut. Das bedeutet nicht, dass du deine Werte verkaufst. Das bedeutet nicht, dass du nicht für die Verfassung kämpfst und dafür kämpfst, woran du glaubst, aber er ist der Präsident der Vereinigten Staaten und wenn du an dieses System glaubst, dann musst du, dann musst du ihn als den Präsidenten der Vereinigten Staaten akzeptieren, Punkt, und du unterstützt ihn mit allen Möglichkeiten, die du hast weil wir – weil nur gemeinsam sind wir Stark.
Joe: Hol mal Luft Glenn, man sieht schon Venen auf deiner Stirn. Bist du noch da?
Glenn: Ja, ich bin noch da.
Joe: Ok. Du sagtest, dass die Gerichte die Sache mit der Geburtsurkunde abgelehnt haben, richtig? Es ist also ein strittiger Punkt. Wir müssen weitermachen.
Glenn: Geh aus meiner Leitung. Ich kann niemanden ertragen, der immer wieder mit der Geburtsurkunde kommt.

Fazit: Glenn Beck denkt, dass die soziale Politik von Obama katastrophale Folgen haben wird. Er gibt Obama aber auch eine Chance, weil er schließlich sein Präsident ist. Außerdem ist er erleichtert, dass McCain nicht gewonnen hat.

2 Responses to “Barack Obama und die Reaktion der rechten Medien auf seine Wahl: Teil 2 von 4, Glenn Beck”


  1. 1 thomas 13. November 2008 um 23:43

    Die Selbstgefälligkeit dieser rechten Radiomoderatoren und ihr Anspruch auf exklusives Wahrheitsvorrecht ist doch himmelsschreiend. Wie können Leute ernsthaft auf Sendern mitdiskutieren, bei denen sich Gespräche auf Belehrungen und Diskussionen auf Selbstbestätigungen des Moderators reduzieren?

    Diese „Obama ist ein Marxist“-Sache ist mehr als lächerliche Propaganda und der Vorwurf „unamerikanisch“ zu sein, könnte genauso gut von einem faschistischen Regime stammen, weil es ein Antiargument ist, eine Leerphrase um den Diskussionspartner ohne wirkliche Argumente ein schnelles Sprechverbot zu erteilen. Limbaugh, O’Reilly und der kleine Narzisst aus deinem Artikel verhalten sich um keinen Deut besser, als linke Demagogen wie Michael Moore, die sie so kritisieren.

  2. 2 Michael 14. November 2008 um 10:31

    Das „unamerikanisch“ bezog sich darauf, dass der Anrufer offensichtlich die demokratischen Spielregeln nur dann akzeptieren will, wenn sie zu seinem Gunsten ausfallen. Das ist in der Tat irgendwie unamerikanisch.

    Mit so Bezeichnungen wie „Marxist“ wird in den USA etwas lockerer umgegangen als bei uns (das gilt z.B. auch für Nazi). Dass Obama zumindest sehr weit links stehen könnte ist nicht vollkommen aus der Luft gegriffen, wenn man sich einige seiner Bekanntschaften und seine bisherige Kariere anschaut. Der Wahlkampf-Obama der politischen Mitte, der auch mit Republikanern zusammenarbeitet muss erst beweisen, dass er überhaupt existiert.


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