Wirtschaftskrise USA: Update

China hat Zweifel

China besitzt $1,946 Billionen an ausländischen Reserven, das Meiste in US$ (Stichwort Chimerica). Auf eine Frage antwortete der Chinesische Premierminister Wen Jiabao:

„We have lent a huge amount of money to the U.S., so of course we are concerned about the safety of our assets. Frankly speaking, I do have some worries,“ Mr. Wen said in response to a question. He did not offer specific suggestions on economic policy to the U.S. government, but called on it to „maintain its credibility, honor its commitments and guarantee the security of Chinese assets.“

„Wir haben der USA eine große Menge Geld geliehen, wir sind deswegen natürlich besorgt über die Sicherheit unserer Anlagen. Offen gesagt, ich habe einige Bedenken,“ sagte Herr Wen als Antwort auf eine Frage. Er nannte keine spezifischen Vorschläge bezüglich der Wirtschaftspolitik der US Regierung, aber rief es dazu auf, „seine Glaubwürdigkeit zu erhalten, seine Verpflichtungen zu respektieren und die Sicherheit der chinesischen Anlagen zu garantieren.

Negative Auswirkungen der Obama Politik auf die Wirtschaft

Reuters berichtet von einer Welle von Firmenumzügen in die Schweiz:

Yet a wave of energy companies has in the last few months announced plans to move to Switzerland — mainly for its appeal as a low-tax corporate domicile that looks relatively likely to stay out of reach of Barack Obama’s tax-seeking administration.

Geradezu eine Welle von Energieunternehmen hat in den letzten paar Monaten Pläne angekündigt, in die Schweiz umzuziehen – hauptsächlich wegen deren Attraktivität als Niedrigsteuerdomizil für Firmen, das vermutlich außerhalb der Reichweite von Obamas Steuersuchender Verwaltung bleiben wird.

Ein weiteres Problem stellt die befürchtete Stärkung der Rolle der Gewerkschaften dar. Arbeitnehmerverbände haben letztes Jahr $100 Millionen für die Unterstützung der verschiedenen Wahlkämpfe der Demokraten ausgegeben und erwarten dafür jetzt eine Gegenleistung. Ein Bestandteil dieser Gegenleistung ist der sogenannte Union Card Check.

Wenn sich in den USA Arbeiter einer Firma einer Gewerkschaft anschließen wollen, müssen mindestens 30% der Arbeiter der Firma einen Antrag unterschreiben und danach wird eine geheime Abstimmung abgehalten. Wenn zumindest 50% der Arbeiter unterschreiben, dann kann der Arbeitgeber entscheiden, dass die geheime Abstimmung nicht abgehalten werden muss. Unter dem neuen Gesetz würde die geheime Abstimmung automatisch entfallen, wenn zumindest 50% der Arbeiter unterschreiben. Arbeitgeber befürchten, dass die Gewerkschaften stärkeren Druck auf die Arbeitnehmer ausüben werden, da die Abstimmung nicht geheim ist.

Obwohl sich den Demokraten nahe stehende Wirtschaftsvertreter (z.B. Warren Buffet) und jetzt auch vermehrt Abgeordnete gegen ein solches Gesetz in dieser wirtschaftlichen Krisenzeit aussprechen besteht kaum ein Zweifel daran, dass der Union Card Check in der einen oder anderen Form kommen wird.

Falls dieses Gesetz kommt, wir ein wichtiges Ziel der Gewerkschaften Wal-Mart sein, der größte Einzelhandelskonzern der Welt. Aufgrund dieser Gefahr hat Citi Group die Aktien von Wal-Mart jetzt zurückgestuft.

Stiumuls – Verteidigungsbudget

Die Diskussionen um den Stimulus nehmen immer bizarrere Formen an. Die Verteidigungsindustrie hat schnell auf die veränderte politische Lage reagiert und verkauft ihre Produkte jetzt nicht mehr wie unter den Republikanern unter dem Label „mehr Sicherheit“ sondern als „mehr Jobs“ Produkte.

savef22raptor

Den Anfang nahm die F-22 Produktion, die eigentlich eingestellt werden sollte. Schon Bush versuchte, die Produktion einzustellen und scheiterte daran. Der Produzent der Flugzeuge – Lockheed Martin – sagt, dass über 1000 Zulieferbetriebe in 44 Staaten daran hängen und nun haben 44 Senatoren und 200 Kongressabgeordnete einen Brief an Obama geschrieben, er solle doch bitte noch mehr solche Flugzeuge kaufen. Jetzt ist von einem K0mpromiss die Rede, dass eventuell noch 30 bis 60 Stück produziert werden sollen – obwohl der Verteidigungsminister sagt, dass das Militär eigentlich mehr als genug F22 hat, weil diese in der Terrorbekämpfung eh nicht wirklich brauchbar sind. Siehe Artikel in NYT und in Wired Danger Room und Abu Muqawama hat auch was dazu zu sagen.

Andere Hersteller sind auf den Zug aufgesprungen. Die U-Boote der Virginia-Klasse sichern ebenfalls 10.000e von Jobs und die Manned Ground Vehicle (MGV) Abteilung des Future Combat System (FCS) erwähnt so nebenbei, dass ihr Produkt 839 Zulieferbetriebe in 38 Staaten unterstützt.

Und Northrop Grumman will mehr Drohnen verkaufen – um das Klima zu schützen.

Paul Krugman

paulkrugmanDie Vorstellungen von Paul Krugman werden täglich beängstigender. Krugman, der 2008 den Wirtschaftsnobelpreis bekommen hat, nimmt einfach einen Taschenrechner und rechnet aus, wie viel die US-Konsumenten aufgrund der Krise weniger ausgeben und voilà: das ist der Betrag, den der Stiumulus ausmachen muss. Man muss wirklich kein Genie sein, um zu verstehen, dass zumindest ein Teil der jetzigen Krise dadurch ausgelöst wurde, dass zuviel konsumiert wurde – Krugman will diesen Zustand offensichtlich mit aller Gewalt aufrecht erhalten. Auch Christoph Chorherr beschleicht dabei ein ungutes Gefühl (Blog-Eintrag mit Kommentaren):

Es geht nicht um die Summen, die alles übersteigen, was jemals ein „Konjunkturpaket“ war, es geht auch nicht um die ökonomische Frage, ob damit die US-Verschuldung überhaupt noch finanzierbar ist. Es geht um etwas viel Grundsätzlicheres. Hat Politik die Aufgabe, den Konsum von Häusern, Autos, Eiskästen etc. dem anzupassen, was die Wirtschaft produzieren könnte?

Obamas Wirtschaftsberater

obamavolckerObamas Economic Recovery Advisory Board besteht aus Experten, die der Wirtschaft wieder auf die Sprünge helfen sollen. Wie sich aber herausstellt, haben die Experten auch Obamas Wirtschaft auf die Sprünge geholfen. 11 der 16 Mitglieder haben für Obama gespendet oder Spenden gesammelt. Insgesamt fast $1.2 Millionen, wie die Washington Times berichtet.

Dafür hat das US-Finanzministerium ein anderes Problem. Viele der Posten, die die neue Administration füllen sollte bleiben unbesetzt, weil sich keine Kandidaten finden. Die New York Times schreibt:

Compounding the strain on the Treasury, almost all the top posts beneath Mr. Geithner are still vacant. Though he has hired about 50 senior advisers – about half the number he hopes to recruit – the White House has become so worried about potential tax problems and other issues in the backgrounds of candidates that it has nominated only a handful of people.

Es verschlimmert die Belastung des Finanzministeriums, dass fast alle der Top Posten hinter Geithner immer noch unbesetzt sind. Obwohl er erst ca. 50 Berater eingestellt hat – ungefähr die Hälfte, die er hofft einzustellen – ist das Weiße Haus mittlerweile so besorgt wegen möglicher Steuerprobleme und anderer Fragen bezüglich des Hintergrunds der Kandidaten, dass es nur eine handvoll Leute nominiert hat.

Nach den Patzern von Obama beim Staatsbesucht von Gordon Brown sorgt das für weitere Verstimmungen mit den Briten: Wie die Daily Mail berichtet, wollte Kabinettssekretär Sir Gus O’Donnell zur Vorbereitung des G20 Gipfel im amerikanischen Finanzministerium anrufen, dort nahm aber niemand das Telefon ab:

Even though the world was in the grip of the worst economic crisis in decades – top of the G20 agenda – Number 10 was having trouble getting in touch with key personnel, said the Cabinet Secretary. ‚There is nobody there,‘ he told a civil service conference in Gateshead. ‚You cannot believe how difficult it is.‘

Obwohl die Welt im Griff der schlimmsten Wirtschaftskriese seit Jahrzehnten ist – Nummer eins auf der G20 Tagesordnung – hatte Number 10 Schwierigkeiten mit dem Schlüsselpersonen in Kontakt zu treten, sagt der Kabinettssekretär. „Es ist niemand da,“ sagte er auf einer Beamtenkonferenz in Gateshead. „Sie können nicht glauben, wie schwierig es ist.“.

Und warum eigentlich nicht?

maxine_waters_109th_pictorialWas ist eigentlich so schlecht an den ganzen Staatsinterventionen in der Wirtschaft? Einen kleinen Vorgeschmack, liefert folgende Geschichte aus den USA: Die Parlamentsabgeordnete Maxine Waters, die Aktien im Wert von $500.000 der OneUnit Bank besitzt hat versucht, politische Entscheidungen zu Gunsten der Bank zu beeinflussen. Die LA Times schreibt:

Waters, a senior member of the congressional committee that oversees banking, has come under scrutiny because OneUnited Bank received $12 million in bailout funds after she helped arrange a meeting between its representatives and those from others banks and Treasury officials. Waters‘ husband, Sidney Williams, had been a board member and stockholder of OneUnited.

Waters, ein führendes Mitglied des Kongressausschuss der den Bankensektor überwacht, kam ins Blickfeld, weil die OneUnit Bank $12 Millionen Rettungsgeld bekommen hat, nachdem sie dabei geholfen hat, ein Treffen zwischen Vertretern dieser und anderer Banken und Beamten des Finanzministerium zu arrangieren. Der Ehemann von Waters, Sidney Williams, war ein Mitglied des Aufsichtsrat und Aktienbesitzer von OneUnited.

Aber man hilft sich ja gegenseitig:

OneUnited’s executives have donated $12,500 to Ms. Waters’s election campaigns.

OneUniteds Führungskräfte haben $12.500 für Frau Waters Wahlkämpfe gespendet.

2 Responses to “Wirtschaftskrise USA: Update”


  1. 1 Thomas 15. März 2009 um 15:15

    Danke für diesen tollen Zusammenfassungsartikel!

  2. 2 nachrichten 15. Juli 2010 um 14:04

    Wirklch sehr informativ! Werde aufjedenfall wieder kommen. Danke fuer den Beitrag.

    Gruss
    Andres


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