Climategate: Der Trick mit dem Hockey Stick

Am 16.11.1999 schreibt Phil Jones von der CRU (Climatic Research Unit der Universität von East Anglia) ein Mail an Michael Mann, Malcolm Hughes und Tim Osborn (Datei 942777075.txt im Climategate-Archiv):

I’ve just completed Mike’s Nature trick of adding in the real temps to each series for the last 20 years (ie from 1981 onwards) amd from 1961 for Keith’s to hide the decline.

Was ist das für ein Trick und was ist mit „hide the decline“ gemeint?

Climate Proxies

Wenn man was über das Klima wissen will, sollte man Temperaturdaten von einem möglichst langen Zeitraum haben. Das dumme ist nur, dass vor 500 Jahren noch niemand ein Temperatur abgelesen hat (verlässliche Temperaturaufzeichnungen existieren seit ca. 1850). Deswegen wird die Temperatur mit Hilfe von Climate Proxies geschätzt.

Einer dieser Climate Proxies sind die Jahresringe der Bäume. Ein dickerer Jahresring lässt auf bessere Wachstumsbedingungen schließen, also höhere Temperaturen. Neben der Dicke der Jahresringe kann auch deren Dichte gemessen werden (MXD – Maximum Latewood Density).

Michael Mann veröffentlichte 1998 im Nature den Artikel Global-Scale Temperature Patterns and Climate Forcing Over the Past Six Centuries, in dem er die berühmte Hockey Stick-Kurve vorstellte. Diese Kurve sollte eine der bekanntesten Illustrationen des Klimawandels werden. Die zentrale Aussage ist: es war in den letzten 1000 Jahren niemals so warm wie heute. Sie taucht u.A. auch in den IPCC Reports auf, im IPCC Report von 2001 ist es die Abbildung 2.21 (Kapitel 2, Seite 134).

Die Hockeystick Kurve zeigt die Abweichung der Temperatur von der mittleren Temperatur zwischen 1961 und 1990. Die schwarze, grüne, violette und blaue Kurve zeigen verschiedene Rekonstruktionen, die rote Kurve zeigt gemessene Temperaturen (seit 1850). Wenn man sich die Kurven genau anschaut, sieht man, dass die Kurven der Climate Proxies 1960 aufhören. Aber warum – gibt es nach 1960 keine Climate Proxies mehr?

Hockey Stick mit Decline

Im CRU-Archiv gibt es ein Mail vom 15.1.2008 (1200426564.txt), in dem auf einen Link mit den Daten verwiesen wird, der immer noch aktiv ist. Die Rekonstruktion von Mann (schwarze und violette Linie) geht dort bis 1980, die von Keith Briffa (grüne Linie) bis 1993. Die dritte Grafik in der Galerie zeigt die Hockey Stick Kurve mit den Climate Proxies bis ans Ende gezeichnet.

Wie man sieht, fällt die Kurve von Briffa nach 1960 plötzlich stark ab. Dieses Phänomen ist in der Dendroklimatologie als Divergence Problem bekannt. Die genauen Gründe dafür sind nicht bekannt, aber irgendwie ist es klar, dass Bäume nun mal keine Thermometer sind und deren Wachstum von vielen verschiedenen Faktoren abhängt, u.A. vom Niederschlag. Außerdem wachsen Bäume im Winter gar nicht, es ist für die Baumringe vollkommen egal, ob es im Winter -40°C hat oder -1°C.

Wenn dieses Divergenz Problem aber im 20. Jhdt. auftritt, gibt es überhaupt keinen Grund anzunehmen, dass das nicht vorher auch schon mal der Fall war und somit erscheint die zentrale Aussage der Hockeystick-Kurve – also dass es in den letzten 1000 Jahren niemals so warm war wie heute – etwas wacklig. Außerdem ist es eigentlich durch Funde klar, dass es vor nicht allzu langer Zeit deutlich wärmer war als vor ein paar Jahrzehnten. So kann man z.B. im Ural beobachten, wie die Waldgrenze steigt. Dort wo jetzt seit kurzem Bäume wachsen, finden sich aber die Überreste von ca. 1000 Jahre alten Bäumen (siehe Bild Seite 3 ganz unten). Solche Funde gibt es auch bei uns in den Alpen – nur ist bei uns die Baumgrenze wegen der Bewirtschaftung oft schwer zu ermitteln.

Fazit

Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass diese Fakten für einen Klimatologen eine Überraschung sind. Ich finde es daher falsch, dass das Climategate als Wissenschaftsskandal bezeichnet wird. Die Hockeystick Kurve wurde nicht für die Kollegen „frisiert“, sondern für Politikern, Journalisten und die Bevölkerung.

Technische Details

Das Programm zum Erzeugen der Grafik habe ich in GNU Octave (das ist eine Art freies Matlab) geschrieben und es basiert auf dem in R geschriebenen Programm von Stephen Mcintyre. Die Daten werden mit einem 40 Jahre Hamming Tiefpass Filter geglättet, wobei der Mittelwert der ersten bzw. letzten 25 Jahre als Padding verwendet wird. Die Kurven stimmen nicht exakt mit denen im IPCC Bericht überein – da sich aber die Wissenschaftler rund um die CRU mit Händen und Füßen dagegen wehren irgendwelche Daten und – Gott Behüte – Programmcode zu veröffentlichen müssen deren Methoden in aufwändiger Arbeit rekonstruiert werden (u.A. von Stephen Mcintyre).

2 Responses to “Climategate: Der Trick mit dem Hockey Stick”


  1. 1 Wolfgang Rosner 11. Dezember 2009 um 15:12

    da sich aber die Wissenschaftler rund um die CRU mit Händen und Füßen dagegen wehren irgendwelche Daten und – Gott Behüte – Programmcode zu veröffentlichen

    Habe ich da im modernen Wissenschaftszirkus was falsch verstanden?
    Meine altmodische Meinung: ein Experiment gilt nur als anerkannt, wenn es reproduzierbar ist.
    Für eine Simulation sollte das doch mindestens genauso gelten – umso mehr, als ja die Möglichkkeiten, durch Drehen an Daten und Algorithmen jedes beleibige Ergebnis zu erzielen, noch weitaus größer sind.
    Ohne Offenlegung von Rohdaten und Algorithmen ist eine Simulation nicht mehr wert als ein Paint-File oder ein Hollywood-Streifen. Ergebnisse aus nicht nachvollziehbarer Historie haben in einer politischen Entscheidungsgrundlage nichts verloren.
    Sollte die IPPC-Datenbasis dieser Anforderung nicht standhalten, dann ist Kopenhagen eine inszenierte Giga-Farce.


  1. 1 Der Trick mit dem Hockeystick « Aus dem Hollerbusch Trackback zu 9. Dezember 2009 um 9:25

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