Archiv für September 2010

Homosexualität und HIV

Zunächst will ich – damit es keine Missverständnisse gibt – klarstellen, dass ich weder denke, dass Schwulen keine stabile Partnerschaft aufbauen können, noch dass HIV eine Strafe Gottes oder ähnliches ist. Es geht mir nur darum, dass hier in letzter Zeit mit statistischen Tricksereien versucht wird, das HIV-Risiko von homosexuellen Männern klein zureden.

Zunächst wurde eine Statistik verbreitet, nach der es 2009 in Österreich unter homosexuellen Männern 6 Neuinfektionen gab, unter heterosexuellen Personen aber 14 Neuinfektionen. Dass hier was nicht stimmen kann, muss jedem sofort klar sein – die Anzahl der Neuinfektionen ist viel zu gering. Im Jahr 2009 gab es in Österreich 507 bestätigte Neuinfektionen.

Woher kommen also die Zahlen? Die Statistik Austria führt eine Statistik über die Anzahl der AIDS-Erkrankungen, davon gab es 2009 in der Kategorie „Heterosexuelle Übertragung“ 14 und unter „Homo/Bisexuell“ 6 Fälle (und 3 in der Kategorie Drogenkonsum). Dass im Jahr 2010 der Unterschied zwischen HIV und Aids bei einer Qualitätszeitung immer noch nicht bekannt ist, ist eigentlich erschreckend.

Ein weiteres Problem ist, dass versucht wird, absolute Zahlen gegeneinander aufzurechnen. So schreibt ORF.at heute:

„Einen schwulen Überhang gibt es nicht“
Zu den meisten HIV-Infektionen kommt es laut Zahlen der AIDS-Hilfe Wien durch heterosexuellen Geschlechtsverkehr. 2009 entfielen fast 43 Prozent der Neuinfektionen auf diese Gruppe, 41,5 Prozent erfolgten über homosexuelle Kontakte und 9,2 Prozent über intravenösen Drogenkonsum.

Wenn man aber berücksichtigt, dass nur 2-13% der Bevölkerung homosexuell sind, dann ist die Aussage vom „fehlenden Überhang“ schon etwas gewagt.

Gibt es eine Untersuchung über die relative Anzahl HIV-Infizierter homosexueller Männer? In Österreich soweit ich weiß nicht, aber dafür in den USA. Das CDC (Centers for Disease Control and Prevention) hat in 21 US-Städten 8153 homosexuelle Männer auf HIV getestet. 19% von ihnen sind HIV positiv. Dagegen sind „nur“ 0,7% der gesamten US-Bevölkerung HIV-Positiv.

Das Alles bedeutet selbstverständlich nicht, dass sich heterosexuelle keine Gedanken über HIV machen müssen. Aber die Relativierung des ungleich größeren Risikos für homosexuelle Männer ist vollkommen fehl am Platz.

Advertisements

Video: Dude, you have no Koran

David Grisham, Pastor der Christlichen Gemeinde „Repent Amarillo“ versuchte letzten Samstag eine Koran-Verbrennung zu inszenieren.

Es wurde aber nichts daraus, da ihm der 23 jährige Skateboarder Jacob Isom den Koran einfach wegnahm und zu Grisham sagte: „Dude, you have no Koran“.

Daraus wurde dann auch gleich ein Musikvideo von der Art „Maschendrahtzaun“ gemacht.

Video: Jetzt oder Nie!

Phil Davison bei seiner Bewerbung als republikanischer Kandidat für den Posten des Schatzmeisters von Stark County:

Davison wurde nicht nominiert, hier ein Interview mit ihm.

Der Koran Wahnsinn

Die Ankündigung des amerikanischen Pastors Terry Jones der 30-50 Mitglieder zählenden Gemeinde Dove World Outreach Center, am 11.9. einen Koran verbrennen zu wollen, scheint die Welt aus den Angeln zu heben. Praktisch jeder mit Rang und Namen meinte, das Vorhaben verurteilen zu müssen:

Die Koran-Verbrennung durch Terry Jones wurde mittlerweile vermutlich abgesagt (so genau weiß man das nicht). Aber die Büchse der Pandora ist jetzt offen. Alle Verrückten dieser Welt haben mitbekommen, was sie für eine Aufmerksamkeit bekommen, wenn sie nur ankündigen den Koran verbrennen zu wollen:

Es wäre jedenfalls nicht das erste mal, dass ein Koran verbrennt wird:

Was uns zur alles entscheidenden Frage bringt: wie können Autonome sicher stellen, dass in den Autos, die sie anzünden kein Koran im Handschuhfach liegt?

Anmerkung zu Flash-Spielen

Die steirische FPÖ hat das grausige Flash-Spiel „Moschee Baba“ veröffentlicht, auf dem man Minarette und Muezine mit STOPP-Schildern abschießen kann. Das Spiel musste auf Anordnung der Staatsanwaltschaft entfernt werden, tauchte am folgenden Tag aber auf der angeblichen Neonazi-Seite alpen-donau.info wieder auf (ist mittlerweile auch dort verschwunden).

Nun ist die Aufregung ziemlich groß: die FPÖ hätte das Spiel an die angeblichen Neonazis von alpen-donau.info weitergegeben. Der Klubjurist der steirischen Grünen verkündet:

Entweder das Spiel wurde weitergegeben, um die einstweilige Verfügung zu umgehen, oder die Seite wurde gehackt.

Nun hätte man bei so einem Thema vielleicht besser einen Informatiker gefragt und nicht einen Juristen. Tatsache ist nämlich, dass Flash Programme auf dem Client ausgeführt werden und dazu natürlich zuerst auf den Client geladen werden. Es ist also überhaupt gar nicht notwendig einen Server zu hacken.

Die einzige Hürde, die man nehmen muss um das Spiel in einem Verzeichnis speichern zu können ist das Herausfinden der URL. Dazu gibt es unzählige Möglichkeiten, wobei ich mich dafür entschieden habe Wireshark zu verwenden, mit dem man auch gleich raus finden kann, ob das Flash-Spiel noch mehr vom Server nachlädt. Es stellt sich dann heraus, dass das Spiel unter http://www.alpen-donau.info/Moschee-Baba/Moschee_baba.swf (ist jetzt nicht mehr verfügbar) gefunden werden kann. In dieser Datei ist das gesamte Spiel gespeichert.

Gleichzeitig zeigt die Ausgabe von Wireshark an, dass das Flash-Spiel versucht auf die URL http://www.alpen-donau.info/Moschee-Baba/service/saveStartGame.php zuzugreifen. alpen-donau.info verfügt aber anscheinend nicht über dieses PHP-Skript. PHP Skripte werden im Gegensatz zu Flash-Programmen auf dem Server ausgeführt und können somit nicht einfach heruntergeladen werden.

PS: Das mir wegen der ganzen Klagen und Verfügungen jetzt mulmig geworden ist: Ob alpen-donau.info Neonazis sind oder nicht kann und will ich nicht beurteilen.