Archiv für Oktober 2010

Video: Fremdschämen

Wahlkampfauftritt des New Yorker Abgeordneten Bob Reilly:

 

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WikiLeaks – Irak War Logs

Am 22. Oktober hat WikiLeaks eine Sammlung von 391.832 Einsatzberichten aus dem Irak veröffentlicht. Diese Berichte wurden zwischen 1.1.2004 und 31.12.2009 verfasst. Berichte, die als „streng geheim“ eingestuft sind, wurden nicht veröffentlicht. Diese stehen WikiLeaks wahrscheinlich auch nicht zur Verfügung, da die vermutete Quelle – Bradley Manning – kein Zugriff darauf hatte.

Konflikte innerhalb von WikiLeaks

Laut einem Bericht des Independent, gibt es eine Auseinandersetzung innerhalb von WikiLeak über die Ausrichtung der Organisation. Die Fokussierung auf die Afghanistan- und Irakdokumente führte dazu, dass alle anderen Bereiche vernachlässigt wurden. Der Bereich, mit dem geheime Dokumente hoch geladen werden können, ist jetzt bereits seit 4 Wochen offline. Daniel Domscheit-Berg, der deutsche Sprecher von WikiLeaks ist hauptsächlich deswegen aus WikiLeaks ausgestiegen:

[…] this one-dimensional confrontation with the USA is not what we set out to do. For us it is always about uncovering corruption and abuse of power, wherever it happens — on the smaller and larger scale — around the world.

Auch Birgitta Jónsdóttir, isländische Parlamentsabgeordnete und ehemalige Mitarbeiterin von WikiLeaks kritisiert die Ausrichtung von WikiLeaks:

But I have been saying for some time that before all these big scoops came along, Wikileaks was very much about creating small hubs in different countries where people could leak important information to. It shouldn’t just be about the international scoops.

Schutz von Zivilisten

Es besteht immer die Gefahr, dass Personen, die mit der US-Armee oder den irakischen Sicherheitskräften zusammenarbeiten zum Ziel für Aufständische werden. Bei der Veröffentlichung der Einsatzberichte aus Afghanistan wurde darauf nicht so viel Rücksicht genommen und der WikiLeaks Betreiber Julian Assange hat in einem Interview mit der London Times auch gezeigt, dass die Veröffentlichung der Dokumente für ihn wichtiger als der etwaige Tod von Zivilisten ist:

No one has been harmed, but should anyone come to harm of course that would be a matter of deep regret — our goal is justice to innocents, not to harm them. That said, if we were forced into a position of publishing all of the archives or none of the archives we would publish all of the archives because it’s extremely important to the history of this war.

Die Entscheidung, die Namen von afghanischen Zivilisten nicht zu schwärzen führte laut dem ehemaligen Mitarbeiter Smári McCarthy auch zu Auseinandersetzungen innerhalb von WikiLeaks:

There were also serious disagreements over the decision not to redact the names of Afghan civilians; something which I’m pleased to see was not repeated with the Iraq dossiers.

Bei der Veröffentlichung der Berichte aus dem Irak wurde hier jedoch deutlich nachbessert. Konnten die Afghanistan-Berichte noch in ihrer Rohform herunter geladen werden, sind die Berichte aus dem Irak nur noch Online einsehbar. Dabei sind offensichtlich alle Wörter, die nicht in einem Wörterbuch stehen „geschwärzt“. Namen von Personen und Orten sind somit nicht mehr ersichtlich (das GPS-Tag wurde allerdings nicht entfernt). Auch die Namen von Staaten wurden geschwärzt. Die Suche nach „Austria“ bzw. „Austrian“ ergibt daher auch keine Treffer.

Den kooperierenden Medienunternehmen standen offensichtlich die ungeschwärzten Quellen zur Verfügung, was aber angesichts der Reputation dieser Medien unbedenklich ist.

Todesfälle

Die Berichte enthalten Meldungen über 109.032 Todesfälle (66.081 Zivilisten, 23.984 Aufständische, 15.196 Irakische Sicherheitskräfte, 3.771 Soldaten der Koalitionstruppen). Das bedeutet, dass in dem Zeitraum pro Tag 31 Zivilisten in Folge der (Bürger)Kriegshandlungen gestorben sind. Diese Zahlen sind allerdings sehr ungenau, da:

  • Oft mehrere Bericht über ein Ereignis existieren und so die Opfer mehrfach gezählt wurden.
  • Zahlen beruhen vielfach auf Hören-Sagen.
  • Vermutlich gibt es viele Vorfälle, an denen nur irakischen Sicherheitskräften beteiligt waren und von denen die US-Armee keine Kenntnis hat.

Um die Zahlen trotzdem in ein Verhältnis zu setzen: Das sind 18.172 Tote pro Jahr (11.041 Zivilisten), 63 Tote pro 100.000 Einwohner (38 Zivilisten). Obwohl die Zahl nicht einer „normalen“ Mordrate entspricht, sei hier Erwähnt, dass Venezuela 75 Mordopfer pro 100.000 Einwohner hat.

Chemische Waffen

673 Einträge beschäftigen sich auch mit chemischen Waffen. Oft handelt es sich um Senfgas. Vermutlich sind es Überreste von Saddams alten Waffenprogrammen, die nach dem ersten Golfkrieg größtenteils zerstört wurden. Trotzdem scheinen Aufständische des Öfteren an solche Waffen zu gelangen und es gibt auch einen Bericht über die Anreise von zehn feindlichen Spezialisten für chemische Waffen.

Einfluss des Iran

Da in den veröffentlichten Berichten die Namen von Staaten geschwärzt sind, kann man diese Information nur den mit WikiLeaks kooperierenden Medien entnehmen. Offensichtlich ist die Einmischung des Irans in irakische Kampfhandlungen noch größer, als allgemein bekannt war. So gibt es auch einen Bericht (etwas weniger geschwärzter Bericht auf NYT), der über den Schmuggel von Explosively Formed Projectiles (EFP) vom Iran in den Irak berichtet. Da die EFP sehr exakt gefertigt sind, wurde schon länger spekuliert, dass diese aus dem Iran stammen.

Ein Bericht handelt vom Eindringen einer iranischen Drohne in den Irak. Der Bericht endet mit:

It is doubtful that we *BEEP* further come of this as it is potentially a volatile political matter.

Gräueltaten

156 Berichte handeln von geköpften Menschen. Ein besonders grausamer Bericht (hier im Spiegel) handelt von einem Baby, das von Mitgliedern der Al Quaida geköpft wurde. Insgesamt handeln 22.573 Berichte von Morden an Zivilisten mit insgesamt 32.559 Opfern. Einer dieser Berichte handelt vom Fund eines Massengrabs mit 47 Leichen. Alle Leichen waren Arbeiter in einer Ziegelfabrik.

 

Vergleich Wahlkampfkosten Österreich/USA

Heute gibt es die Meldungen (ORF, Spiegel), dass die Kandidaten für den aktuellen Kongresswahlkampf in den USA zwei Milliarden Dollar ausgeben. Wie lässt sich das mit Österreich vergleichen?

Aufgrund der galoppierenden Intransparenz in Österreich, ist nicht genau bekannt, wie viel die Parteien für die (Nationalrats)wahlen ausgegeben. Laut dem Politologen und Gründer des österreichischen Ablegers von Transparency International Hubert Sickinger wurden für die Nationalratswahlen 2006 ca. €50 Millionen ausgegeben.

Land Gesamt Einwohner pro Einwohner In Euro
USA $2 Milliarden 308.241.000 $6,48 €4,64
Österreich $50 Millionen 8.383.784 €5,96 €5,96

Video: Der Chinesische Professor

Ein Wahlspot für die Midterms in den USA von Citizens Against Government Waste.

 

Haider vs. Strache

Heute fand in Wien die letzte Landtagswahl nach den FPÖ Turbulenzen statt. Strache konnte in den letzten Landtagswahlen starke Stimmengewinne verzeichnen. Der Vergleich ist aber immer irreführend, da sich die Stimmengewinne nur relativ zum vorherigen desaströsen Wahlergebnis ergeben. Wie aber verhalten sich die aktuellen Landtagswahlergebnisse im Vergleich zu den jeweils besten Ergebnissen, die die Haiders FPÖ erzielen konnte?

Es wird sowohl das prozentuelle Ergebnis, als auch die absolute Stimmenanzahl der FPÖ berücksichtigt. Das Jahr, in dem die Haider-FPÖ das prozentuell beste Ergebnis und das Jahr, in dem die Haider-FPÖ das absolut beste Ergebnis erzielen konnte muss nicht das Selber sein (Salzburg). Beim Wiener Wahlergebnis fehlen noch die Wahlkarten, deswegen wird sich die Stimmenanzahl in jedem Fall noch erhöhen. Kärnten wird wegen der Sonderstellung nicht berücksichtigt.

Strache Haider Vergleich
Wahl Stimmen Prozent Stimmen Prozent Stimmen Prozent
9.3.08 105748 10,47 1998 145514 1998 16,08 72,7 65,1
T 8.6.08 41788 12,41 1999 68108 1999 19,62 61,4 63,3
Sa 1.3.09 36846 13,00 1994 49827 1999 19,58 73,9 66,4
V 20.9.09 44563 25,12 1999 52444 1999 27,91 85,0 90,0
27.9.09 130937 15,29 1997 158555 1997 20,63 82,6 74,1
B 30.5.10 16970 8,98 1996 25426 1996 14,60 66,7 61,5
St 26.9.10 70708 10,66 1995 130492 1995 17,15 54,2 62,2
W 10.10.10 170435 27,06 1996 206122 1996 27,94 82,7 96,9

Fazit

Strache lag meist deutlich unter dem besten Haider-Ergebnis. Heute in Wien hat er das Haider-Ergebnis aber beinahe erreicht. Ob das ein „Ausrutscher“ war, oder ob Strache die Möglichkeit hat, Haider vielleicht sogar noch zu übertreffen werden wir in ein paar Jahren sehen. In der nächsten Zeit sind Wahlen ja eher nicht zu erwarten.

Video: Der Türkenhass in Österreich

(via erstaunlich.at) Auf youtube wurde ein Video über den „Türkenhass in Österreich“ veröffentlicht. Darin beklagt sich ein Türke, über die Vorurteile der Österreicher gegenüber türkisch stämmigen Migranten.

So was wie politische Korrektheit scheint der Autor jedenfalls nicht zu kennen.

Einen kleinen Aufreger gabs, weil das Video von der Internetseite yabanci.at übernommen wurde (mittlerweile gelöscht), die im Wiener Wahlkampf auch kräftig die Werbetrommel für Alev Korun rühren. Diese distanzierte sich dann per Presseaussendung von yabanci.at und ließ alle ihre Videos von der Seite entfernen.

10:10 – No Pressure

Die britische Kampagne 10:10 (deren Logo irgendwie an Handschellen erinnert) hat zum Ziel, dass die Teilnehmer 2010 ihre Treibhausgasemissionen um 10% reduzieren. In diesem Zusammenhang wurden verschiedene Kurzfilme auf Youtube veröffentlicht.

Der neueste Film hat den Titel „No Pressure“. Darin werden verschiedene Menschen zur Reduktion ihrer Treibhausgasemissionen um 10% aufgefordert. Wer nicht mitmacht, wird in die Luft gesprengt.

Richard Curtis schrieb das Drehbuch und führte Regie. Es ist durch Filme und Serien wie „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“, „Bridget Jones – Schokolade zum Frühstück“, „Black Adder“ und „Mr. Bean“ bekannt. Die Sprecherin, die ganz am Schluss in die Luft gesprengt wird ist übrigens Gillian – Agent Scully – Anderson.

Franny Armstrong, die Gründerin von 10:10 gab dem Guardian anlässlich der Veröffentlichung des Videos ein Interview:

Clearly we don’t really think they should be blown up, that’s just a joke for the mini-movie, but maybe a little amputating would be a good place to start?
[…]
We ‚killed‘ five people to make No Pressure – a mere blip compared to the 300,000 real people who now die each year from climate change.

Nach den ersten Reaktionen hat 10:10 sich für den Film entschuldigt und ihn aus Youtube entfernt – aber wirklich löschen kann man so was heutzutage natürlich nicht mehr.

Mich würde wirklich interessieren, wie es sein kann, dass 90 Leute Wochenlang an so einem Projekt arbeiten und niemandem irgendwann mal Zweifel kommen, ob das schon der richtige Ansatz ist.

Abschließend noch einen Vorschlag an die FPÖ: Ein Film, in dem Migranten, die sich nicht integrieren wollen in die Luft gesprengt werden.