Archive for the 'Wirtschaft' Category

Hyperinflation

Es gibt z.T. die Befürchtung, dass gewisse Instrumentarien zur Bewältigung der aktuellen Schuldenkrise früher oder später zu einer hohen Inflation, wenn nicht sogar einer Hyperinflation führen. Ob das der Fall sein wird, wage ich nicht vorauszusagen – obwohl ich schon irgendwie das Gefühl habe, dass irgendwer für den gigantischen Schuldenberg und die unverantwortliche Politik (in Österreich z.B. die Frühpensionen) irgendwann in irgendeiner Form richtig bluten wird müssen (nicht im wörtlichen Sinn – hoffe ich jedenfalls).

Deutschland ist aus historischen Gründen sehr an einer stabilen Währung interessiert. Ich habe in letzter Zeit des öfteren gelesen (z.B. hier via hier), dass der Link zwischen der deutschen Hyperinflation und dem Nationalsozialismus historisch falsch ist, u.A. weil dazwischen ja 10 Jahre liegen. Ich möchte deswegen hier die Einleitung zu Kapitel 10 von Sebastian Haffners Buch „Geschichte eines Deutschen“ wiedergeben. Er hat diesen Text ca. 1939 geschrieben, das Buch wurde aber erst 2000 postum veröffentlicht.

Es kam das Jahr 1923. Dieses phantastische Jahr ist es wahrscheinlich, was in den heutigen Deutschen jene Züge hinterlassen hat, die der gesamten übrigen Menschheit unverständlich und unheimlich und die auch dem normalen „deutschen Volkscharakter“ fremd sind: jene hemmungslos zynische Phantastik, jene nihilistische Freude am „Unmöglichen“ um seiner selbst willen, jene zum Selbstzweck gewordene „Dynamik“. Einer ganzen deutschen Generation ist damals ein seelisches Organ entfernt worden: ein Organ, das dem Menschen Standfestigkeit, Gleichgewicht, freilich auch Schwere gibt, und das sich je nachdem als Gewissen, Vernunft, Erfahrungsweisheit, Grundsatztreue, Moral oder Gottesfurcht äußert. Eine ganze Generation hat damals gelernt – oder zu lernen geglaubt – daß es ohne Ballast geht. Die Jahre vorher waren eine gute Vorschule des Nihilismus. Im Jahr 1923 aber wurden seine höheren Weihen ausgeteilt.

Kein Volk der Welt hat etwas erlebt, was dem deutschen „1923“-Erlebnis entspricht. Den Weltkrieg haben alle erlebt, die meisten auch Revolutionen, soziale Krisen, Streiks, Vermögensumschichtungen, Geldentwertungen. Aber keins die phantastische, groteske Übersteigung von alledem auf einmal, die 1923 in Deutschland stattfand. Keins diesen gigantischen karnevalistischen Totentanz, dieses nicht endende blutig-groteske Saturnalienfest, in dem nicht nur das Geld, in dem alle Werte entwertet wurden. Das Jahr 1923 mache Deutschland fertig – nicht speziell zum Nazismus, aber zu jedem phantastischen Abenteuer. Die psychologischen und machtpolitischen Wurzeln des Nazismus liegen tiefer zurück, wie wir sahen. Aber damals entstand das, was ihm heute seinen Wahnsinnszug gibt: die kalte Tollheit, die hochfahrend hemmungslose, blinde Entschlossenheit zum Unmöglichen; das „Recht ist, was uns nutzt“ und „das Wort unmöglich gibt es nicht“. Offenbar liegen Erlebnisse dieser Art jenseits der Grenze dessen, was Völker ohne seelischen Schaden durchmachen können.

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Schuldenbremse

Ich bin gegen die Schuldenbremse. Nicht, weil ich gegen das Sparen bin. Aber: das Österreichische AAA-Rating war in Gefahr. Und was macht unsere Regierung? Sie entscheidet sich fürs weiterwursteln. Anstatt endlich einmal mit dem Sparen anzufangen wird eben mal schnell eine Schuldenbremse in die Verfassung geschrieben, damit das unvermeidbare einfach noch ein paar Monate oder Jahre länger hinausgeschoben werden kann. Mal ganz davon abgesehen, dass es noch nicht mal ein Jahr her ist, dass die Regierung das Budget zwei Monate zu spät präsentiert hat um bei den Wahlen besser dazustehen – und damit die Verfassung gebrochen hat.

Irgendwann wird man mit dem Sparen anfangen müssen – spätestens halt dann, wenn uns niemand mehr unsere Staatsanleihen abnimmt.

Robert Misik ein Euro-Gegner?

Robert Misik – linker österreichischer Intellektueller – ist ein Fan von Paul Krugman und verlinkt auch regelmäßig sein Blog. Und Krugman ist ein sehr passionierter Euro-Gegner – war das schon vor der Einführung des Euro und sieht sich jetzt natürlich täglich neu bestätigt.

In seinem Blog-Eintrag Die Ideologenmärchen von der „Staatsschuldenkrise“ will Misik beweisen, dass die jetzige Eurokrise nicht durch die Staatsschulden ausgelöst wurde. Und er verlinkt und zitiert dazu zum  Artikel Legends of the Fail von Krugman.

Krugman schreibt darin dass die Schulden Griechenlands kein Problem währen, wenn Griechenland seine eigene Währung hätte. Im Notfall könnte dann immer noch die griechische Zentralbank die Staatsanleihen kaufen.

In particular, since euro-area countries can’t print money even in an emergency, they’re subject to funding disruptions in a way that nations that kept their own currencies aren’t — and the result is what you see right now.

Damit hat er natürlich recht (von den Problemen einer zu lockeren Geldpolitik mal abgesehen) – aber wenn man fordert, dass alle europäischen Staaten ihre eigenen Zentralbanken haben sollen, dann stellt man sich damit vollkommen automatisch gegen jede Form der gemeinsamen europäischen Währung.

Damit stellt sich die Frage: ist Misik ein Euro-Gegner – was eine ziemlich außergewöhnliche Position in er europäischen Linken wäre? Oder hat er nicht verstanden, worauf der Kritik von Krugman hinausläuft?

Davon abgesehen würde mich irgendwann mal interessieren, was für Voraussetzungen erfüllt sein müssen, damit Krugman eine gemeinsame Währung erlauben würde. Soweit ich weiß kann Kalifornien nämlich auch nicht seine eigene Währung drucken – und dort hat Krugman noch nie die den Austritt aus dem Dollar gefordert, trotz einer ähnlich desaströsen Schuldensituation wie in Griechenland.

Frühpensionen und Konjunktur (Update)

Nach dem Beschluss der Schuldenbremse im Ministerrat sieht das WIFO die Konjunktur in Gefahr. Der WIFO-Exprerte Marcus Scheiblecker sagt dazu:

Schritte zur Eindämmung der Frühpensionen dagegen würden die Nachfrage dagegen sehr tangieren

Ich versteh wirklich nicht, warum Frühpensionierungen gut für die Konjunktur sein sollen. Erstens steht den frühpensionierten Personen weniger Geld zur Verfügung und außerdem produzieren sie nichts mehr. Wie kann es gut für die Konjunktur sein, wenn Menschen aufhören zu Arbeiten – und dafür auch noch Geld bekommen?

Update: Ich habe Marcus Scheiblecker in einem Mail gefragt, warum Frühpensionierungen schlecht für die Konjunktur sind. Er schreibt, dass man das zweifach argumentieren kann: erstens könnten die freigewordenen Stellen durch Menschen nachbesetzt werden, die vorher noch keine Arbeit hatten – dadurch haben diese mehr Geld zur Verfügung. Andererseits kann man das auch makroökonomisch sehen: die Frühpensionierungen kosten Österreich viel Geld. Wenn sich der Staat dieses Geld (zum Teil) nicht durch Steuern holt (sondern durch neue Schulden), dann steht dieses Geld für zusätzlichen Konsum zur Verfügung.

Das ist (kurzfristig) natürlich alles Richtig – nur auch nicht gerade ein Zukunftsmodell.

PMI Juli 2010

Bis auf Griechenland und Südafrika haben alle Staaten einen PMI größer 50. Trotzdem ist der PMI von vielen Staaten in den letzten Monaten deutlich zurückgegangen. Ausnahmen sind ausgerechnet die DACH-Staaten (Deutschland, Österreich, Schweiz).

PMI März 2010

Mit Ausnahme von Griechenland und Norwegen ist der Purchasing Managers Index jetzt von allen Staaten über 50. Das kann aber nicht darüber hinwegtäuschen, dass einige Staaten noch massive Probleme haben, z.B. Spanien, dessen PMI das erste mal seit 28 Monaten über 50 ist.

Nähere Informationen zu der Situation in Spanien kann man im sehr informativen Artikel The Pain in Spain vom Weekly Standard nachlesen.

Spekulanten, Zocker und Heuschrecken

Die Spekulanten, Zocker und Heuschrecken sind wieder los. Vor ein einer Woche haben sie den Euro ins Visier genommen und jetzt plötzlich auch noch das britische Pfund. So zerstörerisch ist ihr Wirken, dass Jean-Claude Juncker schon mal die Folterwerkzeuge hervorholen will. Frankreichs Finanzministerin will die Credit Default Swaps verbieten mit denen sich die Käufer von Staatsschulden gegen den Staatsbankrott absichern und der Chef der CSU-Fraktion im Europaparlament will allen an den Währungsspekulationen beteiligten Banken gleich die Lizenz wegnehmen.

Es ist also ein sehr dringendes Problem. Wie dringend es ist und wie sich die zerstörerische Wirkung der spekulierenden Zocker entfaltet kann man natürlich am Wechselkurs ablesen:


Man sieht: genau gar nichts. Und selbst wenn es zu einer Änderung des Wechselkurses kommt, dann wird diese ja nicht von den Spekulanten verursacht. Die Ursache ist die wirtschaftliche Situation in den jeweiligen Ländern.

Hier der historische Wechselkurs von Euro und britischem Pfund gegenüber dem Dollar (Achtung: zwei verschiedene Y-Achsen):